Projektvorschläge für den Pappelgraben

Erläuterung zu den folgenden Projektvorschlägen (1)

Meine folgenden Projektvorschläge sind als Anregungen zu verstehen. Es ist nicht möglich, eine Projektgestaltung für eine Klassenstufe festzuschreiben, da sich verschiedene Klassen, auch wenn es sich dabei um die gleiche Klassenstufe handelt, sehr stark z.B. in Bezug auf ihre Interessen, ihre Leistungsstärke, ihre methodischen Fähigkeiten oder den gemeinschaftlichen Zusammenhalt unterscheiden. Was die Kinder einer Klasse mit Begeisterung und Neugier verfolgen, kann in der nächsten Klasse auf Unverständnis und Desinteresse stoßen. Was für die einen eine Herausforderung darstellt, ist für andere eine Überforderung. Die individuellen Unterschiede zwischen den einzelnen Kindern müssen bei der Unterrichtsgestaltung berücksichtigt werden. Wie oben schon betont, sollten die Interessen, Fragen und Ideen der Schüler den Verlauf der Projekte entscheidend beeinflussen. Diesem Anspruch kann ich in meiner theoretischen Vorplanung nicht gerecht werden. Es ist erforderlich, dass die hier vorgestellten Projektvorschläge letztlich von den Lehrkräften mit der und für die Klasse passend ausgestaltet werden.

Zur Beteiligung der einzelnen Fächer ist zu sagen, dass die Projekte Wissen und Fähigkeiten aus allen Fachrichtungen einbeziehen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen verbinden sich hier mit dem sinnlich-ästhetischen Erleben der Umwelt. Messungen und Berechnungen und somit der Umgang mit Zahlen, Größen und Maßeinheiten spielen ebenso eine Rolle wie das Verfassen eigener Texte über die Arbeitsergebnisse oder die Darstellung eigener Eindrücke und Erlebnisse über verschiedene Methoden des künstlerischen Bereichs. Zudem ist die Arbeit mit Karten, Texten und Tabellen erforderlich. Interviews mit Experten (oder z.B. Bewohnern des Stadtteils „Wüste“) können aufgenommen werden, ebenso wie verschiedene Wassergeräusche.

Experimente zu den Eigenschaften des Wassers können entwickelt und ausgewertet werden. Aber auch Gedichte, Bewegungsspiele und Lieder stellen eine Möglichkeit dar, sich mit der Thematik „Wasser“ bzw. „Städtische Gewässer“ auseinanderzusetzen. Diese beispielhafte Aufzählung zeigt, dass die Bandbreite der verschiedenen Methoden zu umfangreich ist, um sie im Rahmen einer Arbeit darzustellen. Die Entscheidung über die Wahl des methodischen Zugangs und die Ausgestaltung des Projekts wird letztlich von den Vorlieben der Lehrkraft und den Interessen und Ideen der Schüler bestimmt. In den folgenden Übersichtstabellen gebe ich Hinweise auf einige Bearbeitungsmöglichkeiten. Darüber hinaus können Lehrkräfte (und auch Schüler) auf die vielfältige Literatur und die unzähligen Internetangebote zum Thema „Wasser“ zurückgreifen. Hier sind Informationen, Sachtexte, Geschichten, Gedichte, Versuchsanleitungen, Rätsel, Spiele, Lieder und vieles mehr zu finden, was als Anregung für den Unterricht aufgegriffen werden kann. Mit dem Ziel, BNE anzubahnen, sollte jedoch versucht werden, diese Vorschläge auf die Situation vor Ort zu beziehen und somit die konkrete Auseinandersetzung mit lokalen Gegebenheiten zu ermöglichen. Zudem legt das Thema „Wasser“ aufgrund seiner Bedeutung als lebensnotwendiger Grundstoff den globalen Bezug nahe.

Die drei folgenden Projektvorschläge werden zunächst mit Hilfe einer Kurzbeschreibung vorgestellt. Darauf folgt eine detaillierte Darstellung von möglichen Unterrichtsreihen oder einzelnen Aktionen im Rahmen übergeordneter Einheiten in tabellarischer Form. Die Übersichtstabellen gliedern sich in vier Spalten:

  • Ziele (spezielle und allgemeine Ziele)
  • methodische Anregungen
  • mögliche Bezüge zu den Kerncurricula 60 und
  • Literaturhinweise.

Ein Projektvorschlag ist auf die erste und zweite Klassenstufe ausgerichtet. Zwei weitere sind für die dritte und vierte Klassenstufe vorgesehen.

Projektvorschlag für das erste und zweite Schuljahr

Projekt: „Wir lernen unser ‚Patenkind’, den Pappelgraben, kennen“

Projektvorschläge für das dritte und vierte Schuljahr

„Der Pappelgraben als Teil des Wasserkreislaufs“

„Wassernutzung heute und früher“


Abschließende Anmerkungen zu den Projektvorschlägen

Die hier vorgestellten Projektvorschläge bieten der Grundschule „In der Wüste“ zahlreiche Anregungen für die Mitarbeit am Schulnetzwerk „Schulen für eine lebendige Hase“ im Rahmen einer Bachpatenschaft für den Pappelgraben. In abgewandelter Form können die Projekte auch an anderen Schulen genutzt werden.

Während der Schwerpunkt des Projektes für das erste und zweite Schuljahr im ökologischen Bereich liegt, treten in den Projekten für das dritte und vierte Schuljahr zudem auch wirtschaftliche und sozial-kulturelle Aspekte der Wasser- und Gewässernutzung hervor. Der lokale Bezug auf den Stadtteil Wüste und „seinen“ Pappelgraben – und später der Stadt Osnabrück und „ihrer“ Hase (aktuell und historisch) – steht in Verbindung mit der globalen Bedeutung des Wassers. In den Projekten treten die vielseitigen Nutzungszusammenhänge der lebensnotwendigen Ressource Wasser deutlich hervor. Sie lassen Konflikte erkennen und regen zur Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung, Wertschätzung und dem Umgang mit Wasser an.

Im Sinne von BNE ermöglicht die fächerübergreifende Projektgestaltung, die sich wie anfangs erwähnt nicht auf die in den Tabellen genannten Fächer beschränken muss, den Schülern unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten. Sie werden aktiv in die Unterrichtsgestaltung einbezogen und haben die Möglichkeit, ihren Erkenntnissen und Ideen auch Handlungen folgen zu lassen. Sie können ihre Arbeitsergebnisse der Klasse, der Schule oder auch den Anwohnern präsentieren und sich in ihrem Umfeld für den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser oder im Speziellen für den Schutz des Pappelgrabens einsetzen. Dazu zählt u.a. auch, die Anwohner auf die im und am Gewässer lebenden Tiere und Pflanzen aufmerksam zu machen und sie auf diesem Wege für die Wahrnehmung des Gewässers als vielseitigen und schützenswerten Lebensraum zu sensibilisieren. Somit ermöglichen die Projekte den Schülern die Entwicklung von Gestaltungskompetenz.

Die Projektvorschläge sind äußerst umfangreich und erfordern deshalb eine klare Auswahl der aufgeführten Ziele und Methoden, die sich für die entsprechende Klasse besonders eignen. Die aufgeführten Literaturhinweise sind nur eine kleine Auswahl der unzähligen Bücher, Zeitschriften, Informationsbroschüren, Internetseiten und anderen Materialien, die zur Bearbeitung der Unterrichtsreihen herangezogen werden können. Sie beinhalten sowohl didaktisches Material als auch Hintergrundinformationen für die Lehrkräfte. Nicht zu jeder Unterrichtsreihe lassen sich „fertige“ Unterrichtsmaterialien für den Grundschulbereich finden. Hier ist es erforderlich, dass die Lehrkräfte mit Bezug auf die Informationsliteratur eigene Materialien entwickeln. Im Rahmen dieser Arbeit kann die Ausarbeitung einzelner Materialien und Arbeitsbögen nicht geleistet werden. Für die Konkretisierung der Vorschläge wäre dies aber im Zuge anschließender Arbeiten eine interessante Herausforderung.

Die Umsetzung der Projekte verlangt zudem von den Lehrkräften, dass sie von der Behandlung der „traditionellen“ Themen83 des Sachunterrichts, die sich auf die Vorgaben der (inzwischen veralteten) Rahmenrichtlinien beziehen, abrücken. Nur auf diesem Wege entsteht Raum für neue Projekte, die aber durchaus, so wie in den Tabellen bereits angedeutet, „traditionelle“ Themen einschließen oder auf diese Bezug nehmen. Die Erfahrungen aus bewährten Unterrichtseinheiten sollen sich mit neuen Ansätzen verbinden und so die Möglichkeit bieten, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung als übergreifendes Ziel der Schularbeit zu etablieren.

Neben den hier genannten Ideen bieten, wie in Kapitel 6.3 angesprochen, weitere im Internet bereitgestellte Unterrichtsvorschläge zur Osnabrücker Hase interessante Anregungen und Materialien für Lehrer verschiedener Schulstufen, um im Unterricht einen Bezug zu den lokalen Gegebenheiten herzustellen.

Die in den Tabellen aufgeführten Bezüge zu den neuen Kerncurricula sollen die Lehrer dazu ermutigen, die Projekte in ihre Unterrichtsarbeit aufzunehmen. Sie zeigen, dass sich Projekte an den Anforderungen der Kerncurricula orientieren und sie somit nicht als zusätzlicher „Ballast“ zu verstehen sind. Trotzdem soll nicht verschwiegen werden, dass die Umsetzung der Projekte Mut zu neuen Ideen, hohen Arbeitsaufwand und neue Formen der Lehrerzusammenarbeit (bzw. Zusammenarbeit von Lehrern, Eltern, Schülern und außerschulischen Experten) verlangt. Die steigenden Anforderungen an die Schulqualität und die geforderte Auszeichnung der Schulen in Form eines selbst entwickelten Schulprogramms machen eine Umgestaltung des Schullebens langfristig unumgänglich. Die Projektvorschläge sind ein Anstoß in diese Richtung.

(1) Diese Projektvorschläge zum Pappelgraben stammen aus: Lena Hammel: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an Grundschulen: Konzeptionelle Grundlagen und Möglichkeiten der Umsetzung am Beispiel urbaner Gewässer in Osnabrück, 2006 (Examensarbeit). Gelegentlich wird Bezug auf hier nicht zur Verfügung gestellte Kapitel oder kurzzitierte Literatur verwiesen, die hier auch nicht in der Langfassung erwähnt werden.

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