Hase-Exkursion 4: Innenstadt

Vom Konrad-Adenauer-Ring bis zum Hase-Tor-Wall

Hin- und Rückweg - Busverbindungen - Tipps

Historische Karten: Mühlen in der Innenstadt um 1802 u.a.

Luftbild

Stadtplan 2004

aktuelle Fotos (Juni 2005)

aktuelle Fotos (November 2005: Hase bei Schneefall)


Pottgrabenbad

Hinter dem Konrad-Adenauer-Ring verläuft die Hase am Raiffeisenplatz entlang, der als Ruhezone parkähnlich gestaltet ist. Eine Fußgängerbrücke schafft eine Querverbindung zwischen Heinrich-Heine-Straße und Niedersachsenstraße. Dahinter liegt am linken Ufer das Gebäude des ehemaligen Pottgrabenbades, eine der Badeanstalten, die im 19. Jahrhundert ihre Tore für die städtischen BesucherInnen öffneten.

Bild1 Hase am Pottgraben

Pottgraben heute

Diese Einrichtungen dienten schon damals der Freizeitgestaltung, der Gesundheitsförderung und der Hygiene. Man unterschied zwei Arten von Bädern: die Schwimmstätten direkt am Haseufer und die Badehäuser, deren Becken von Hasewasser durchflossen wurde, wie das Becken des Pottgrabenbades. Dieses Bad wurde 1883 eröffnet und war damit die erste Osnabrücker Schwimmhalle. Damals war sein Becken nur sieben Meter breit und 15 Meter lang. Es wurde mehrfach vergrößert und immer wieder erneuert um den modernen Anforderungen zu entsprechen. Seit Ende Juli 1998 ist das Pottgrabenbad Geschichte. Die Stadt stellte den Badebetrieb ein. Was in Zukunft aus dem Gebäude werden soll, ist noch unklar.

Attach:Symbol_buch.jpg Δ
Zur Geschichte der Osnabrücker Badeanstalten vgl. VERGIN 1997,
Seiten 24-26

Neue Mühle

Bild2 Mühlenwehr der Neuen Mühle

Von der Heinrich-Heine-Straße gehen wir rechts der Hase zum Flussufer hinab. Hier ist eine Stelle, an der man gut Wasseruntersuchungen durchführen kann. Auf der anderen Haseseite, an der Ecke zum Kollegienwall, liegt die Neue Mühle. Ihr Mühlenwehr dient der Heinrich-Heine-Straße als Brücke. Über die Errichtung der Neuen Mühle verfügte Bischof Bruno im Jahr 1258 und gab damit der Forderung der Stadtbewohner nach, die einen Ersatz für die nur schwer erreichbare Schlagvorder Mühle wollten. Diese Mühle ist heute nicht mehr erhalten. Sie stand vermutlich am Lutherbach, der im mittelalterlichen Osnabrück nördlich der Johanniskirche durch die Neustadt floss und jetzt nicht mehr existiert. Mit dem Bau der Neuen Mühle wurde die Schlagvorder Mühle abgerissen. Nur die gleichnamige Straße erinnert noch an sie. Die Neue Mühle war bis 1850 Bischofsbesitz und wurde an die Domgeistlichen verpachtet. Erst danach ging sie ins städtische Eigentum über. 1959 erklärte die Stadt die Mühle zum historisch bedeutenden Gebäude und restaurierte sie wieder als dreigeschossigen Bau.

Abb.7: Neue Mühle um 1802 Ausschnitt aus der Originalkarte

Im Februar 1999 sackte der denkmalgeschützte Pfeiler der Hasebrücke an der Neuen Mühle ab und beschädigte die Brücke mit dem Wehr so stark, dass sie neu aufgebaut werden muss.

Attach:Symbol_buch.jpg Δ
Zur Geschichte der Osnabrücker Mühlen vgl. HOFFMEYER 1932, Seiten 77-101

Schöpfwerk

Obwohl es schon lange die Idee gibt, einen Haseuferweg bis zur Wittekindstraße anzulegen, konnte dieser Plan bisher nicht umgesetzt werden. Wir müssen daher zur Heinrich-Heine-Straße zurück, überqueren die Hase auf dem Mühlenwehr und biegen rechts in den Kollegienwall ein. Durch die Häuserreihen entzieht sich die Hase vollständig unseren Blicken. Wir gehen an der nächsten Kreuzung rechts und folgen der Schlagvorder Straße bis zur Brücke über den Fluss. Von hier aus haben wir einen freien Blick auf die Hase. Man sieht, dass die Bebauung bis unmittelbar ans Wasser reicht. Hier einen Uferweg anzulegen, würde einen hohen bautechnischen Aufwand erfordern. Wir kehren zum Kollegienwall zurück und gehen weiter in Richtung Stadtmitte. Rechts, zwischen den Gebäuden Nr. 2 und Nr. 3, steht ein Maschinenhäuschen; dahinter befinden sich drei große stählerne, schrägliegende Schrauben. An dieser Stelle mündet der Pappelgraben in die Hase. Da sein Wasserspiegel unter dem Niveau des Flusses liegt, muss das Wasser mit Hilfe der Schrauben gehoben werden, damit es in die Hase abfließen kann.

„Öwer de Hase“

Bild3 Öwer de Hase mit Blick auf die NOZ

Wir setzen unsere Exkursion fort, folgen der Hase flussabwärts und gelangen in den Bereich „Öwer de Hase“. Der Straßenname erinnert daran, dass hier der Fluss 1966 überbaut worden war um Parkraum in der Innenstadt zu schaffen. Inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt. Die Hase, einst als unnütz und platzraubend angesehen, wird heute neu entdeckt. Als natürliches Element soll sie zu einer lebendigen Gestaltung des Stadtbildes beitragen. So wird das Gewässer zur Zeit entdeckelt und die Straße umgestaltet. Auch wenn dann wieder Licht auf den Fluss fällt, wird er dadurch nicht naturnah; aber er wird in der neuen Kulisse seinen ästhetischen Beitrag leisten.

Attach:Symbol_buch.jpg Δ
Zur Haseüberbauung vgl. VERGIN 1997, Seiten 35-39 / 48-50

Haseuferweg und Hexenturm

Bild4 Der Hexenturm

Wir gehen „Öwer de Hase“ bis zur Georgstraße. Ab hier gibt es wieder einen Abschnitt des Haseuferweges, den die Stadt 1993 angelegt hat. Eine Fußgängerbrücke stellt die Verbindung in Richtung Haarmannsbrunnen her. Das Ufer konnte an dieser Stelle leider nicht umgestaltet werden, so dass der Fluss weiter in seinem Betonbett bleibt. Immerhin wurde aber ein Treppenabgang geschaffen, auf dem man zum Wasser herabsteigen kann. Unmittelbar neben der Treppe befindet sich der Ausgang aus einer Tiefgarage, der als gläserner Turm gestaltet ist und an den Hexenturm erinnern soll. Dieser Rundturm, ehemals vermutlich mit Spitzdach, war früher Bestandteil der Stadtmauer. Er stand am Herrenteichstor, wo sich die Hase, genau wie heute, in zwei Arme teilte. Der linke Arm war der natürliche Flusslauf, der rechte eine wegen des Mühlenbetriebes künstlich angelegte Umflut. Der Name des Turmes deutet auf die Zeiten der Hexenverfolgung hin, vor der auch die Stadt Osnabrück im 17. Jahrhundert nicht verschont blieb. Nicht zufällig liegt der Turm so nah am Wasser, konnten die Hexenjäger doch die Angeklagten hier gleich vor Ort der berühmt-berüchtigten Wasserprobe unterziehen. Das war ein damals übliches, grausames Verfahren um Schuld oder Unschuld einer der Hexerei verdächtigten Frau festzustellen. Man band ihr Hände und Füße zusammen und warf sie in den Fluss. Wenn sie nicht versank, galt das als unnatürlich und sicheres Indiz für ihre Schuld. Ging sie dagegen unter und ertrank, musste sie wohl unschuldig gewesen sein. Heute sind in dem gläsernen Treppenturm einige historische Ex-ponate ausgestellt: Holz aus über 800 Jahre alten Eichenpfählen, mehrere Gläser und Scherben und auch ein Modell eines Teils der alten Stadtbefestigungsanlage.

Herrenteichsmühle

Die Herrenteichsmühle stammte aus dem 13. Jahrhundert, gehörte damals dem Domkapitel und lag ursprünglich nicht an der Hase, sondern am Poggenbach. Dieser Bach kam aus dem Gebiet, wo sich heute der Stadtteil Wüste befindet, und mündete in die Hase, nachdem er zuvor den sogenannten Herrenteich mit Wasser versorgt hatte. Der Name Herrenteich deutet auf die früheren Besitzer hin, die Domherren. Er lag genau dort, wo sich heute das Kaufhaus Brinkmann befindet.

Abb.8 Herrenteichsmühle um 1802 Ausschnitt aus der Originalkarte

Als der Poggenbach nicht mehr ausreichend Wasser für den Mühlenbetrieb führte, verlegte man die Mühle 1300 an das linke Haseufer, dorthin, wo heute das Gebäude Kleine Domsfreiheit Nr. 9 steht. Der Herrenteich wurde nach und nach zugeschüttet und überbaut, ebenso der Poggenbach. Zwar gehörte die Mühle der Geistlichkeit, ihre Bewirtschaftung war aber Aufgabe der Mühlenpächter. Durch die Säkularisation im Jahr 1803 ging die Herrenteichsmühle in den Besitz des Landes über, 1850 erwarb sie dann die Stadt Osnabrück. Doch schon 1862 musste der Betrieb aufgrund des niedrigen Wasserstandes eingestellt werden und die Mühle wurde abgerissen.

Attach:Symbol_buch.jpg Δ
Zur Geschichte der Osnabrücker Mühlen vgl. HOFFMEYER 1932, Seiten 77-101

Herrenteichswall

Bild5 Oben auf dem Herrenteichswall

Wir steigen nun die Treppe neben dem Haarmannsbrunnen hinauf und begleiten die Hase entlang des Her-renteichswalls. Der Wall erhielt seinen Namen von dem bereits erwähnten Mühlenteich und ist der letzte noch sichtbare Rest der alten städtischen Wallanlage. Im 16. Jahrhundert aufgeschüttet und zum Gertrudenberg hin durch eine Mauer begrenzt, sollte er zusätzlichen Schutz vor weitreichenden Feuerwaffen bieten. Seine damalige Höhe betrug etwa sieben Meter. Um 1850 trug man Teile des Walls wieder ab und bepflanzte seine Krone mit Linden. 1870 wurden die übrigen Wälle abgetragen und geschliffen, nur der Herrenteichswall nicht. Er zählt seitdem mit seiner Lindenallee zu den schönsten Park- und Grünanlagen in Osnabrück.

Attach:Symbol_buch.jpg Δ

vgl. TERHALLE 1991, Seiten 105-112

Trotzdem gab es in den vergange-nen 100 Jahren zweimal heftige Diskussionen über seine Zukunft: 1899 sah der „Hackländer Plan“ vor den Wall zugunsten einer Hauptverkehrs- und einer Promenadenstraße vollständig abzutragen. Damit sollte ermöglicht werden, den schon teilweise vorhandenen Straßenring um die Innenstadt auszubauen. Doch 1905 fiel die Entscheidung gegen diesen Plan und damit erstmalig für die Stadtbevölkerung, die sich da-mals mit der Absicht der Schleifung des Herrenteichswalls überhaupt nicht anfreunden konnte. Ein zweiter Plan von 1979 sah im Rahmen der Altstadtsanierung vor, den Nonnenpfad über den Herrenteichswall bis zur Hasestraße zu verlängern. Doch auch jetzt verhinderte der massive Widerstand der Bevölkerung die Umsetzung dieser Idee.

Bild6 Hase am Pottgraben

Pernickelmühle

Bild7 Die Pernickelmühle

Entlang des Herrenteichswalls fließt die Hase schnurgerade auf die Pernickelmühle zu. Auch sie ist die Neuauflage einer wesentlich älteren Mühle, der sogenannten Bischofsmühle, die wahrscheinlich aus dem frühen 13. Jahrhundert stammte. Wie die Herrenteichsmühle lag auch sie zunächst nicht an der Hase, sondern am Hellingsbach, der genau wie der Poggenbach heute verschwunden ist.

Abb.9: Pernickelmühle um 1802, damals Lodtmannsmühle genannt Ausschnitt aus der Originalkarte

Über mehrere Jahrhunderte wurde die Pernickelmühle von der Familie Klövekorn und später von Lodtmanns bewirtschaftet. Die Mühle war daher auch unter dem Namen Klövekornmühle und später Lodtmanns Mühle geläufig. 1889 kaufte die Stadt die Mühle und hatte auch dieses Mal kein Glück als Betreiberin. Nach zwei Jahren zerstörten Eisschollen und eine starke Flut die Mühlenanlage. Doch die Stadt investierte und modernisierte: Es entstand eine neue, zeitgemäße Kornmühle mit einer Turbinenanlage und einem Wehr mit Fußgängerbrücke. Immerhin mahlte die Mühle bis 1965; erst dann wurde der Betrieb endgültig eingestellt. 1978 erwarb die Domgemeinde die Pernickelmühle und nutzt sie heute als Gemeindezentrum.

Attach:Symbol_buch.jpg Δ
Zur Geschichte der Pernickelmühle vgl. LORENZ-FLAKE 1981

Angersbrücke, Vitischanze und Haarlemer Brücke

Bild8 Die Haarlemmerbrücke

Wir folgen der Hase jetzt auf dem Erich-Maria-Remarque-Ring und gelangen zur Angersbrücke. Diese Brücke wurde 1914 an einer Stelle erbaut, die für die Stadt Osnabrück von großer historischer Bedeutung ist: Schon vor über 1000 Jahren gab es in dem schmalen Flusstal zwischen Westerberg und Gertrudenberg den ersten Übergang über die Hase, eine Voraussetzung dafür, dass sich hier zwei wichtige Handelswege kreuzten.Zur Geschichte der Pernickelmühle vgl. LORENZ-FLAKE 1981

Attach:Symbol_buch.jpg Δ

vgl. VERGIN 1997, Seiten 8-9

Bild9 Die Vitischanze

Von der Angersbrücke aus gehen wir über das Gelände der Vitischanze. Ursprünglich stand hier als Teil der städtischen Befestigungsanlage nur der Barenturm, der 1471 errichtet und erst während des 30jährigen Krieges um die Bastion verstärkt wurde. Eine alte, hochgewölbte Brücke führt uns zum Barenturm. Wenige Meter weiter erreichen wir die breite Haarlemer Brücke, über die der Hasetorwall verläuft. Diese Hasebrücke, früher viel schmaler, wurde 1958 an beiden Seiten um insgesamt 16 m verbreitert. Jenseits des Walls verlässt die Hase den Innenstadtbereich. Hier soll unsere Exkursion zu Ende gehen. Wir gehen zu Fuß zum Neumarkt.

Anregungen für den Unterricht

Seite zuletzt geändert am 25.07.2006 19:11 Uhr · Seitenaufrufe: 8292