Nachwort: Hase-Bildung (Becker)

Durch die Industrialisierung und die schnell wachsende Bevölkerungszahl machte die Hase in Osnabrück im 19. Jahrhundert immer häufiger durch Verschmutzungsskandale unangenehm auf sich und die meist anonymen Verursacher aufmerksam. Die Hase war nun eher eine stinkende Kloake als ein schöner, das Stadtbild bereichernder Stadtfluss, der von den Bürgerinnen und Bürgern geschätzt und in vielfältiger Weise pfleglich genutzt wurde. So war es konsequent, dass die Haseufer mehr und mehr zugebaut, zum Teil die Hase sogar überbaut wurde. Fast unsichtbar im Stadtgebiet, gerieten die Hase und andere Fließgewässer im Bewusstsein der Öffentlichkeit zunehmend in Vergessenheit. Es verschwanden Elemente einer städtischen Natur aus dem Stadtbild, und zugleich verschwanden im Bewusstsein der Bevölkerung die Probleme des Umgangs mit den Stadtgewässern. Diese Probleme werden zu alleinigen Problemen der Kommunalverwaltung und der Politik.

In den letzten Jahren hat die Stadt Osnabrück mehr und mehr ihre Hase „wiederentdeckt“ und mit verschiedenen Maßnahmen stärker ins städtische Ambiente und Leben integriert: Neue Blickmöglichkeiten auf die Hase wurden geschaffen, Geschäfte und Restaurants wenden sich ihr zu, Kulturveranstaltungen beziehen die Hase ein, die Verlängerung des Uferwegs ist geplant und wird Stück um Stück realisiert. Und es ist mehr als ein symbolischer Akt, wenn nun die Hase an der kleinen Straße „Öwer de Hase“ im Stadtzentrum nach über dreißig Jahren wieder geöffnet wird. Allerdings lassen die Bebauung und der nicht verlagerte Autoverkehr keine weitergehenden Lösungen zu. Insgesamt erfährt die Hase eine zunehmende Wertschätzung im Innenstadtbereich; die Hase ist auf dem besten Wege sogar eine Attraktion für das Stadtbild zu werden. Darin drückt sich ein erstaunlicher kultureller und Bewusstseinswandel der Osnabrückerinnen und Osnabrücker zu ihrem Fluss aus. Durch die verstärkte Sichtbarkeit und positive Einbeziehung der Hase in das Stadtbild wird ihre Bedeutung in der Bevölkerung mit Sicherheit noch verstärkt. Ob die ökologischen Probleme der Hase deshalb heute schon als gelöst bezeichnet werden dürfen, darf man getrost bezweifeln. Von Seiten einiger Naturschützerinnen und Naturschützer gibt es Kritik gegenüber der neuen Gestaltung des städtischen Umfeldes: die stärkere Zugänglichkeit der Hase für die Bevölkerung wird als Gefahr für diesen Lebensraum gesehen.

Das vorliegende Buch von Sigrid Bartelheim und Dorota Kuczia trägt zur (Wieder-)Entdeckung der Hase bei, die vermutlich im Bereich der Stadt Osnabrück und der angrenzenden Vororte in Verlauf und Erscheinungsbild noch immer ziemlich unbekannt sein dürfte. Deshalb werden die vorgeschlagenen Exkursionen für die meisten Schüler und Schülerinnen, wohl auch für etliche Lehrkräfte und Interessierte, in einigen Abschnitten und unter verschiedenen Gesichtspunkten „Erstentdeckungen“ bieten. ....

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