11. Zum wiederholten Male: Wer ist denn schuld an der Haseverschmutzung? (S.33)

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Im Sommer darauf ließen die Städtischen Kollegien verkünden, die Haseverschmutzung sei nicht Schuld der Stadt Osnabrück: Alle häuslichen Abwässer würden zum Klärwerk geleitet, und alle Industriebetriebe im Stadtgebiet seien an die städtische Kanalisation angeschlossen. Lediglich das vom Stahlwerk in geringem Umfange direkt in die Hase geleitete Kon¬denswasser, das teilweise Öl enthalte, ließe sich nicht restlos ausfiltern ... Die Stadt leide unter den schon wieder unhaltbaren Zuständen, aber Schuld seien — die in großem Maße eingeleiteten Abwässer der Papierfabrik in Gretesch durch den Belmer Bach. Man könne zwar die Schwebeteilchen herausfiltern, die wasserlöslichen Stoffe jedoch, die ursächlich schuld seien an dem massiven Sauerstoffabbau und der Faulschlammbildung, würde man damit nicht erfassen. Und das Flußbett regelmäßig zu entschlammen sei eine unnütze Arbeit, da man damit nicht die Ursache beheben könnte.

Der Betreiber der Papiermühle in Gretesch setzte sich gegen diese Schuldzuweisung vehement zur Wehr: Die organischen Substanzen im Hasewasser, die nachweislich zum immer wieder auftretenden Fischsterben geführt hätten, seien nicht von der Papiermühle, sondern vom Schinkel in die Hase eingeleitet worden, speziell von der Schützenhofkolonie, die bis vor kurzer Zeit noch nicht an das städtische Kanalisationsnetz angeschlossen worden war. Und da sich die Stadt Osnabrück jahrelang geweigert habe, den Fluß zu entschlammen, habe die Situation im vergangenem Jahr eskalieren müssen. Wenn man den Faulschlamm regelmäßig entfernt hätte, würde die Hase nicht ein solch schlimmes Bild liefern. Der Schwarze Peter wurde also hin- und hergeschoben, und niemand fühlte sich verantwortlich.

So dauerte es noch lange, bis tatsächlich gegen die Haseverschmutzung angekämpft wurde. 1934 beschloß die Stadt, in Lüstringen Klärteiche anzulegen, um die Schoellerschen Abwässer zu reinigen, ehe sie in die Hase flossen. Am Zustand der Hase änderte sich indes kaum etwas.

Der große Streit: Wer ist Schuld an der Haseverschmutzung? Wegen der Gleichschaltung der nationalsozialistischen Presse wird die Bewertung der Zeitungsartikel aus den betreffenden Jahren schwieriger. Berichte über die kolossale Haseverschmutzung nehmen quantitativ, aber nicht qualitativ ab. Und spätestens nach Kriegsausbruch wurde der Hasethematik ein geringerer Wert beigemessen. Bisher wurde beschrieben, daß die zunächst positiv wahrgenommene Hase - man konnte fischen, das Wasser trinken oder für die handwerkliche Produktion nutzen und Waren darauf transportieren etc. - ab Beginn der Industrialisierung zunehmend zu einem Ärgernis wurde. Weil sich der Zustand der Hase mehr und mehr negativ auf die Lebensqualität in der Stadt auswirkte, mußte man sich notgedrungen mit dem Problem beschäftigen.


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