Fließgewässer im urbanen Raum: Umweltbildung/BNE

Recherche und Evaluation 2009

Kontext

Ausgehend von einem erfolgreichen Osnabrücker Fließgewässerprojekt im innerstädtischen Bereich (Lebendige Hase) fanden 2006 und 2008 im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und mit deren Unterstützung bundesweite Netzwerktagungen für solche Fließgewässerprojekte und ihre Akteure statt. Am Ende der 1. Netzwerktagung im Oktober 2006 wurde als Initiativgruppe ein interdisziplinäres Team gebildet, das mit DBU-Unterstützung die Grundstrukturen eines bundesweiten Netzwerkes aufbaute und dazu am Ende der etwa einjährigen Arbeit den Verein Fließgewässer im urbanen Raum (FluR) gründete, der seine Geschäftsstelle bei der U.A.N. in Hannover hat. Im Rahmen dieses Aufbaus wurden etwa 50 Fließgewässerprojekte in urbanen bzw. Siedlungsräumen recherchiert, deren Kurzbeschreibung in Form von Steckbriefen auf der Website von FluR einzusehen und nach verschiedenen Kategorien zu recherchieren sind. Bei einigen wenigen Projekten spielt auch Bildungsarbeit eine Rolle, eine systematische Erfassung von Bildungsarbeit im thematischen Bereich der Fließgewässer wurde bislang nicht durchgeführt. Gleichwohl war dem Verein FluR die hohe Bedeutung von Bildungsarbeit für Fließgewässerprojekte bewusst, ja sie gehört zu seinen Zielsetzungen.

Im November 2008 startete ein weiteres Projekt in der Trägerschaft der U.A.N - in Kooperation mit FluR und wiederum von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert, das 2009 vor allem eine gründliche Evaluation einer Auswahl bekannter Fließgewässerprojekte durchgeführt hat, die als Steckbriefe bereits erfasst sind. Für dieses Projekt wurde ein großer interdisziplinärer Beirat eingerichtet, der sich regelmäßig bei der U.A.N. traf. Das Projekt wird Ende März 2010 abgeschlossen.

Im Rahmen dieses Projektes wurde 2009 auch eine Recherche nach Bildungsarbeit im Bereich der Fließgewässer nachgeholt und eine erste Evaluation durchgeführt. Diese Aufgabe hat der Verein für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück übernommen, der von Anfang an bei dem Projekt "Lebendige Hase" in Osnabrück dabei war, maßgeblich an einem regionalen pädagogischen Netzwerk beteiligt ist (Schulen für eine lebendige Hase) und auch bei dem bundesweiten FluR-Projekt mitwirkt. Längerfristiges Ziel ist es in einem weiteren Projekt eine bundesweite Vernetzung aufzubauen und Verknüpfungen zu Fließgewässerprojekten herzustellen (s.u. Perspektiven)

1. Schritt: Pädagogische 'Basisrecherche'

Der Verein führte für die U.A.N. ab Mitte Februar 2009 eine Basisrecherche nach umweltpädagogischen/nachhaltigkeits-/gewässerpädagogischen Projekten oder pädagogischen Aktivitäten, die sich in urbanen Räumen oder zumindest kleinstädtischen Siedlungsräumen in Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Raum mit solchen Fließgewässern beschäftigen und eine gewisse öffentliche Bedeutung haben. Dabei ging es nicht nur um naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Wasserqualität, sondern um alle sich auf städtische Fließgewässer beziehende Aspekte, z.B. stadtplanerische/-gestalterische, soziale, ökonomische, politische/partizipatorische, technische, touristische, freizeitbezogene, (inter)kulturelle oder historische Untersuchungen... Auch bei der Abfrage von Methoden wurden keine Grenzen gesetzt, sie können z.B. Patenschaften beinhalten, partizipatorisch ausgerichtet sein, die Neuen Medien einsetzen und bis hin zu künstlerischen Verarbeitungsformen gehen. Diese inhaltliche und methodische Vielfalt entspricht auch dem Anspruch einer Bildung für nachhaltige Entwicklung an das Thema Fließgewässer (s. u. Literaturhinweise):

Ziele - Vorteile für Mitwirkenden

Dabei geht zum einen darum einen bundesweiten Überblick über solche Projekte zu bekommen. Für die Projekte besteht damit die Chance, sich selbst einem breiteren interessierten Publikum bekannt zu machen. Gleichzeitig können die Beteiligten auf diesem Wege andere Projekte kennen lernen, von ihnen lernen, miteinander Kontakt aufnehmen. Schließlich werden diese Projekte von FluR über Neuigkeiten, Termine und Aktivitäten per email informiert.

Dies war also eine erste Stufe für ein später angestebtes Netzwerk, das auch bestehende lokale, regionale und flussbezogene Netzwerke (s. einige Beispiele) kooperativ einbezieht

Fragebögen 1

Die Erfassung erfolgte dadurch, dass Fragebögen verschickt wurden: in einigen Fällen direkt an uns bekannte Projekte, in den meisten Fällen jedoch über Netzwerkskoordinatoren, Organisationen, Verbände, die ihrerseits den Fragebogen an ihre Projekte (seien es Schulen, andere Bildungseinrichtungen, Vereine, Organisationen u.ä.) oder eine Auswahl davon weiterleiten.

Fragebogen 1:Fragebogen 1 FluR-Umweltbildung.doc

Über den Fragebogen 1 wurden Grundinformationen über die Aktivitäten/Projekte und über die Träger und Akteure abgefragt, aber auch über Kooperationspartner, Unterstützungen u.ä., Wir fragten schließlich auch danach, welche weiteren interessanten Projekte zu Fließgewässern den Trägern bekannt sind ('Schneeballprinzip'), damit auch diese mit dem Fragebogen angesprochen werden. Die Weiterleitung des Fragebogens an Kooperationspartner oder weitere Projekte sollte aus Datenschutzgründen durch die Betreffenden selbst erfolgen.

Steckbriefe

Es wurde auch die Bereitschaft abgefragt, ob der ausgefüllte Fragebogen als eine Art Steckbrief auf der Website veröffentlicht werden darf. Fast alle haben dies bejaht. Die Veröffentlichung erfolgt zum Projektende hier. Zum einen wird im eigenen Interesse das eigene Projekt bundesweit bekannt, zum anderen können Projekte sich untereinander kennenlernen, von einander lernen, Kontakte aufnehmen u.ä.

Weiterhin wurde im Fragebogen die Bereitschaft abgefragt in einem zweiten Schritt an einer Vertiefung der Befragung bzw. einer schriftlichen Evaluation teilzunehmen.

2. Schritt: Tiefenrecherche/Evaluation (ab Juni 2009)

Dabei ging es uns darum, einerseits die Abfrage auf Basis des Steckbriefes zu vertiefen und außerdem - als Evaluation - von den Trägern und unterschiedlichen Akteuren zu erfahren, was deren Auffassung nach die Erfolgsbedingungen oder Hindernisse für ihre Arbeit und deren Ziele sind. Insbesondere interessierte uns die Bedeutung von Kooperationen und Unterstützungsstrukturen auf lokaler/regionaler Ebene, aber die von überregionalen Netzwerken. Wichtig war uns auch das Verhältnis zu eventuell vorhandenen Maßnahmen oder Planungen der städtischen Fließgewässerrevitalisierung oder -gestaltung sein (Beispiele sind die Gewässersteckbriefe auf der FluR-Website). Auch nach allgemeinen Empfehlungen für erfolgreiche (päd.) Fließgewässerprojekte haben wir gefragt.

Fragebogen 2a (Schulen): Fragebogen 2 FluR-Umweltbildung_Schulen.doc

Fragebogen 2b (Einrichtungen/Projekte]:Fragebogen 2 FluR-Umweltbildung.doc

3. Schritt: Befragung von Netzwerken

Nach dem 2. Schritt wurden im Juli 2009 die Träger und/oder Koordinatoren von regionalen oder überregionalen Netzwerken oder Organisationen nach ihrer Einschätzung der Erfolgsbedingungen von gewässerpädagogischer Arbeit befragt mit einem Fragebogen der ähnlich zu den obigen ist:

Fragebogen 2c (Einrichtungen/Projekte]: Fragebogen 2 FluR-Umweltbildung-Netzwerk.doc

Im Sept./Oktober 2009 wurden die zurückgeschickten Fragebögen sehr intensiv ausgewertet: Kurzfassung, pdf Δ des Abschlussberichtes der Abschlussdokumentation, der - in einer ersten Fassung auch "Handlungsempfehlungen" enthält.

4. Netzwerktagung

Einige vorläufigen Ergebnisse wurden auch auf der 3. Netzwerktagung im ZUK in Osnabrück (29./30. Oktober 2009) vorgestellt und diskutiert.

(Vortrag Dr. Becker im Plenum: Folien als pdf

Vortrag Dr. Becker im Workshop 6 "Umweltbildung": Folien als pdf

5. Handlungsempfehlungen als Broschüre

Die 14 Handlungsempfehlungen wurden in überarbeiteten Kurzfassung im Januar 2010 fertiggestellt und im Frühjahr 2010 zusammen mit Handlungsempfehlungen für urbane Fließgewässerprojekte als Broschüre veröffentlicht.

Die Broschüre ist bei FluR erhältlich oder von der Webseite der Umweltaktion oder hier als PDF herunter zu laden.

6. Perpektiven der Vernetzung (ab 2010/11)

Der Verein für Ökologie und Umweltbildung strebt für 2010 im Rahmen von FluR ein pädagogisch ausgerichtetes bundesweites Kooperationsprojekt zu urbanen Fließgewässern an, das dem gegenseitigen Austausch von besonders erfolgreichen Projekten /Aktivitäten und konzeptionelle Weiterentwicklung der BNE-Fließgewässerpädagogik im urbanen Raum dienen soll. Zur Vorbereitung sollten 2010 diejenigen, die einen Steckbrief abgegeben haben und/oder sich an der Evaluation beteiligt haben, angeschrieben werden. Leider wird diese Fortsetzung der mehrjährigen Arbeit zum Thema Urbane Fließgewässer von der DBU überraschend nicht mehr gefördert!

Einige Literaturhinweise:

  • Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg (Hrsg. 2002): Wir erleben Bach und Fluss. Stuttgart.
  • Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (Hrsg., 2006): Stand und Entwicklung der Gewässerpädagogik. – NNA-Berichte, 19. Jg., H. 2, Schneverdingen s. Homepage NNA
  • Bartelheim, Sigrid / Kuczia, Dorota: Die Hase neue entdecken; Selbstverlag Osnabrück 1999
  • Becker, Gerhard (2008): Das pädagogische Potenzial von Stadtgewässern im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, in: BNE-Journal 4 (Sept. 2008) Onlinetext
  • Becker, Gerhard (2008): Schulen für eine lebendige Hase: Akteursnetzwerke und Flussallianzen im urbanen Raum - (pdf Δ - siehe auch Bericht auf der ANU-Jahrestagung 2008 ""Der Zukunft das Wasser reichen"
  • Bittner, Alexander: Außerschulische Umweltbildung in der Evaluation. Wirkungen kurzzeitpädagogischer Maßnahmen auf Umwelt- und Naturschutzinteressen von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I. Hamburg 2003
  • BMU (Hg:) (2008): Ein Fluss ist mehr als Wasser (BMU-Bildungsmaterialien mit Download)
  • BMU (Hg) (2009): Bildungsmaterialien für die Grundschule: Wasser ist Leben (BMU-Bildungsmaterialien mit Download)
  • BUND Rheinland-Pfalz (2007): Die besten Ideen rund ums Wasser Homepage
  • Hutter, C.-P., Link, F.-G. (Hrsg. 2003): Mit Kindern Bach und Fluss erleben, Fließgewässer – Lebensadern der Landschaft. Stuttgart.
  • Ipsen, Detlef u.a. (Hg.)(1998): Wasserkultur. Beiträge zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Berlin
  • Fritz-Gerhard Link und Claus-Peter Hutter: Kommunikation Mensch und Gewässer: Gewässerschutz durch Umweltbildung, in: Wasserwirtschaft 1/2 2007, S. 48-51
  • Praxis Geographie (2007), H. 11: Flüsse und Bäche, Braunschweig
  • Rettig, Carolin (2008): Bestandsaufnahme und Evaluation außerschulischer Gewässerpädagogik - eine explorative Studie, Freiburg
  • Umweltamt der Stadt Frankfurt (Hg.)(2004): Stadtgewässer. Flüsse, Bäche, Altarme entdecken. Frankfurt

Materialangebot des Vereins zum Thema 'Urbane Fließgewässer'?


zum Seitenanfang

anzeigen · editieren · Datei hochladen · drucken · Anderungen
Seite zuletzt geändert am 19.05.2015 16:49 Uhr · Seitenaufrufe: 3466