Themenfeld Kulturorientierte Umweltbildung - Einführung

Im Kern geht es einer "Kulturorientierten Umweltbildung" (s. auch Umweltbildung allgemein) primär darum, die kulturelle Dimension des menschlichen/gesellschaftlichen Verhältnisses zur Natur/Umwelt zu thematisieren, zu klären und in der Konsequenz zu ändern.

Dies hängt selbstverständlich von dem zugrundegelegten Kulturverständnis ab, das sehr unterschiedlich sein kann. Es seien hier nur einmal zwei Hauptrichtungen genannt:

  • Es können zum einen (künstlerisch-)kulturelle Produkte gemeint sein, die sich mit Natur und Umwelt in irgendeiner Weise beschäftigt haben. Dies können Produkte der gesellschaftlichen Hochkultur sein, aber auch spezifische (kulturpädagogische/ästhetische) Präsentationsformen von Ergebnissen von Umweltprojekten (Darstellung als Szenisches Spiel, Theaterstück, gemaltes Bild, Musikstück u.ä.).
  • Zum anderen kann die vielfältige Alltagskultur in allen ihren praktischen und symbolischen Erscheinungsformen gemeint sein, die direkten Einfluss auf das individuellen Denken und Handeln im Bereich Natur und Umwelt hat.
    • Damit zusammen hängt der Lebensstil-Ansatz (kurzer Beispieltext, der wiederum Konsequenzen für die Analyse der Wirkung von Umweltbildung für das persönliche Verhalten hat und der mögliche Thematisierungsaspekte für Umweltbildung bietet.
    • "Bei der Wahrnehmung von ökologischen Phänomenen und deren Verarbeitung als ökologische Probleme handelt es sich um kulturelle Phänomene ... als These formuliert: Umweltbildung ist Auseinandersetzung mit dem Kulturphänomen 'Umweltwahrnehmung". Dieses Zitat stammt von dem einflussreichsten Autor dieser Richtung Gerhard de Haan (In: Apel u.a (Hg.): Orientierungen der Umweltbildung,1993, S. 158ff)), der damit "Kulturorientierte Umweltbildung als Programm" formulierte und theoretisch begründete. S. auch sein Aufsatz "Kulturorientierte Umweltbildung in der Grundschule" In: S. George/I. Prote (Hrsg.): Handbuch zur politischen Bildung in der Grundschule. Schwalbach/Ts. 1996. De Haan grenzte sich damit zum Teil auch von denjenigen Konzepten einer politischen Umweltbildung ab, die sich nur gesellschaftskritisch verstanden: "Der Vorteil ... mit einem Kulturkonzept statt mit einem Gesellschaftsbegriff zu operieren, liegt in den Relativismen, die mit dem modernen Kulturbegriff transportiert werden... Die Wahrnehmung von Pluralität hat in den modernen Kulturkonzepten auch zur Konsequenz, nicht mehr normativ eine bestimmte Kultur gut heißen oder verurteilen zu können... (de Haan in Apel (Hg.), S. 162)
  • Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es jedoch auch Ansätze einer Kulturorientierten Umweltbildung gab, die einen anderen Kulturbegriff zugrundelegen (s. z.B. in dem Abschnitt 2.7.2 des Buches "Urbane Umweltbildung... Becker, 2001, S. 113-119)
  • Eng damit zusammen hängen Ansätze einer Interkulturellen Umweltbildung

In allen Fällen ist damit eine Abkehr von einem engen naturwissenschaftlichen Verständnis von Umweltbildung verbunden und von der Vorstellung, es gäbe 'objektives Wissen' zu Umweltfragen oder 'objektiv bestimmbare Verhaltensweisen'.

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