Der phänologische Garten von GLOBE

Attach:Blume.jpg ΔDie Ph√§nologie ist die Lehre von den jahreszeitlich wiederkehrenden Entwicklungsstadien in der Pflanzen- und Tierwelt. Um die Gesetzm√§√üigkeiten des Pflanzenwachstums erkennen und die Abh√§ngigkeit dieser periodischen Entwicklung von den Umweltbedingungen - insbesondere von Witterung und Klima - untersuchen zu k√∂nnen, m√ľssen auffallende Wachstumserscheinungen beobachtet werden, deren Eintrittszeiten sich m√∂glichst auf einen bestimmten Tag festlegen lassen. Eine solche hervorstechende Wachstumsstufe, auch ph√§nologische Phase genannt, ist z.B. der Beginn der Bl√ľte.

Phänologische Phasen sind u.a.:

Beginn der Blattentfaltung, Beginn der Bl√ľte, Vollbl√ľte, Ende der Bl√ľte, Erste reife Fr√ľchte, Beginn der Blattverf√§rbung, Beginn des Blattfalls.

In den mittleren und hohen Breiten wird die Pflanzenentwicklung maßgeblich durch den Temperaturverlauf bestimmt. Phänologische Beobachtungen sind daher gute Indikatoren zur Untersuchung der Auswirkungen von Klimaänderungen in der Biosphäre.

Geschichte

Ph√§nologische Beobachtungen haben eine sehr lange Tradition. Die √§ltesten ph√§nologischen Aufzeichnungen der Kirschbl√ľte stammen aus Japan und sind auf das Jahr 705 datiert. Erw√§hnenswert sind auch die privaten ph√§nologischen Aufzeichnungen der Familie Marsham aus Schottland, die √ľber sechs Generationen hinweg von 1736 bis 1925 Pflanzenbeobachtungen durchgef√ľhrt hat. Erste fl√§chendeckende ph√§nologische Beobachtungen gehen auf Initiative des schwedischen Botanikers Carl von Linn√© zur√ľck, der 1750 in Schweden ein Beobachtungsnetz mit 18 Stationen einrichtete, das jedoch leider nur drei Jahre lang Beobachtungen durchf√ľhrte. Das erste internationale ph√§nologische Beobachtungsnetz entstand 1781. Es war an die meteorologischen Beobachtungen der "Societas Meteorologica Palatina" zu Mannheim gekn√ľpft und umfasste 32 Stationen, die in einem Gebiet von Nordamerika bis zum Ural und von Gr√∂nland bis zum Mittelmeer lagen. 1792 wurden die Beobachtungen leider wieder eingestellt. Erst im Jahr 1882 gelang H. Hoffmann und E. Ihne ein Durchbruch in der Ph√§nologie. Auf ihre Initiative hin wurden seit 1883 nach einheitlichen Richtlinien ph√§nologische Beobachtungen in ganz Europa durchgef√ľhrt, die in einer fortlaufenden Reihe bis 1941 ver√∂ffentlicht wurden. Um die Entwicklung der Ph√§nologie in Deutschland haben sich vor allem Fritz Schnelle und Franz Seyfert verdient gemacht. Fritz Schnelle gr√ľndete u.a. die Internationalen Ph√§nologischen G√§rten in Europa.

W√§hrend die Ph√§nologie in den 1970er und 1980er Jahren eher ein Schattendasein f√ľhrte, erlangte sie weltweit in den 1990er Jahren einen beachtlichen Aufschwung. Das erneute Interesse an ph√§nologischen Beobachtungen resultiert einerseits aus dem Bedarf an Bodenbeobachtungen zur Eichung von Geofernerkundungsdaten. Andererseits f√ľhrt der weltweit beobachtete Anstieg der Lufttemperatur zu einer verst√§rkten Nachfrage nach Indikatoren zur Beurteilung der Auswirkungen von Klima√§nderungen in Natur und Gesellschaft. Ph√§nologische Beobachtungen sind hierzu pr√§destiniert.

GLOBE Phänologischer Garten (GPG)

Eine genaue Anleitung zur Anlage des Gartens finden Sie hier.

Die hier ausgew√§hlten Pflanzen sind Teil eines wissenschaftlichen ph√§nologischen Netzwerkes mit dem Namen Global Phenological Monitoring Programm (GPM). Die Wissenschaftler des GPM Programms untersuchen weltweit, wie Pflanzen auf klimatische Bedingungen und Klimaver√§nderungen reagieren. Die Bl√ľhphasen in den GPG werden beispielsweise genutzt, um ph√§nologische Phasen anderer Geh√∂lze, wie die Bl√ľte von Obstb√§umen zu berechnen.

PflanzenartSorteBl√ľhzeit
ZaubernussHamamelis x Intermedia 'Jelena'12/01
SchneeglöckchenGalanthus nivalis 'genuine'01/02
Forsythie1)Forsythia suspensa 'Fortunei'03/04
Chinesischer Flieder1)Syringa x chinensis; Red Rothomagensis04/05
Falscher JasminPhiladelphus coronarius 'genuine'05/06
BesenheideCalluna vulgaris 'Allegro'08/09
BesenheideCalluna vulgaris 'Long White'08/09
Herbstbl√ľhende ZaubernussHamamelis virginiana 'genuine'09/10

Beobachtete Phänophasen:

BF: Beginn der Bl√ľte, GF: Vollbl√ľte, EF: Ende der Bl√ľte 1)Zus√§tzlich LU: Beginn der Blattentfaltung, 1)Zus√§tzlich FL: Volle Blattentfaltung

PHASENDEFINITIONEN

Die wichtigste Voraussetzung f√ľr die Gewinnung vergleichbarer Beobachtungswerte ist die genaue Definition der zu beobachtenden ph√§nologischen Phase.

Beginn der Bl√ľte (BF): Sind an einigen (etwa 3-4) Stellen der beobachteten Pflanze die ersten normalen Bl√ľten ge√∂ffnet, hat die Bl√ľte begonnen.

Vollbl√ľte (GF): Die Vollbl√ľte ist erreicht, wenn √ľber die H√§lfte der vorhandenen Bl√ľten an der beobachteten Pflanze ge√∂ffnet sind.

Ende der Bl√ľte (EF): Das Ende der Bl√ľte ist erreicht, wenn 95 % der Bl√ľten abgestorben bzw. abgefallen sind.

Beginn der Blattentfaltung (LU): Die Phase ist eingetreten, wenn die ersten normalen Blattoberflächen sichtbar sind, und zwar an einigen (etwa 3-4) Stellen der beobachteten Pflanze. Das jeweils erste Blatt hat sich bis zum Blattgrund bzw. Blattstiel aus seiner Knospe heraus geschoben.

Volle Blattentfaltung (FL): Die Phase ist erreicht wenn 95 % aller Blätter sich entfaltet haben.

Hinweise zur Anlage des Gartens:

  • die Lage des Gartens sollte f√ľr die mesoklimatischen Verh√§ltnisse der Umgebung charakteristisch sein, Standorte an S√ľdh√§ngen, Schattenpl√§tze, Frostl√∂cher oder Gebiete mit mikroklimatischen Besonderheiten sollten vermieden werden
  • die Pflanzen m√ľssen in keiner bestimmten Ordnung eingepflanzt werden. Gewisse Mindestabst√§nde zwischen den Pflanzen sollten aber eingehalten werden, damit sich die Pflanzen optimal entwickeln k√∂nnen.
  • die Pflanzen sollten auf ebenem Gel√§nde gepflanzt werden, wobei bis zu 3¬į Hangneigung noch akzeptabel ist
  • es muss keine spezifische Pflanzordnung eingehalten werden, jedoch sollte eine gegenseitige Abschattung der Pflanzen vermieden werden
  • am besten geeignet sind Freifl√§chen ohne gr√∂√üere Hindernisse und Verkehrswege, die in den Nacht nicht beleuchtet werden
  • der minimale Abstand von Geb√§uden und Mauern sollte wenigstens dem 1,5fachen der Hindernish√∂he entsprechen, der Abstand von Waldr√§ndern dem 2fachen Wert der Baumh√∂he
  • die Pflanzungen m√ľssen gegen Wildfra√ü gesichert werden.

Hinweise zur Betreuung des Gartens:

  • alle Pflanzen sind zu beschriften, die Beschriftungen sind gegebenenfalls j√§hrlich zu erneuern
  • da haupts√§chlich der Einfluss der Lufttemperatur auf die Pflanzenentwicklung untersucht werden soll, k√∂nnen die Pflanzen bei gro√üer Trockenheit bew√§ssert werden
  • bei Bedarf k√∂nnen die Pflanzen mit handels√ľblichem Minarald√ľnger bzw. organischem Material ged√ľngt werden
  • der Gesundheitszustand der Pflanzen sollte regelm√§√üig √ľberpr√ľft werden und gegebenenfalls sollten rechtzeitig Ersatzpflanzen bestellt werden
  • die Besenheide ist j√§hrlich im M√§rz oder April um die H√§lfte zu k√ľrzen
  • der Flieder sollte direkt nach der Bl√ľtezeit im Fr√ľhling beschnitten werden, da die Bl√ľtenknospen des kommenden Jahres auf dem neuen Holz gebildet werden, das nach der Bl√ľte w√§chst. Beschneidungen im Herbst sollten vermieden werden, denn dadurch werden die Knospen des n√§chsten Jahres zerst√∂rt. Alte, vertrocknete Bl√ľten k√∂nnen nach Belieben abgeschnitten werden, damit der Strauch nicht unansehnlich wirkt.
  • alle anderen B√ľsche sollten alle 5-10 Jahre einmal beschnitten werden, um eine gute Form beizubehalten. Man kann einen oder mehrere der alten Zweige entfernen bzw. k√ľrzen, um die gew√ľnschte Form zu erhalten. Entfernen Sie niemals mehr als ein Drittel der Pflanze auf einmal.

Hinweise zu den phänologischen Beobachtungen:

  • die Schulen werden gebeten die ph√§nologischen Beobachtungen mit den Sch√ľlern sorgf√§ltig durchzuf√ľhren
  • wenn eine Pflanzenart zu bl√ľhen beginnt, sollten jeden Tag Beobachtungen durchgef√ľhrt werden, bis alle Stadien der Bl√ľtenentwicklung protokolliert sind
  • wenn keine der Pflanzen bl√ľht und keine Bl√§tter wachsen, k√∂nnen die Beobachtungen zwei- oder dreimal die Woche ausgef√ľhrt werden
  • die Beobachterhinweise, d.h. die Definitionen der Phasen sind strikt zu beachten
  • Fotografien von den Phasen k√∂nnen die Beobachtungen erleichtern
  • die Durchf√ľhrung von Beobachtungen w√§hrend der Ferienzeit sollte mit den Sch√ľlern organisiert werden
  • vorzugsweise sollten die Sch√ľler ihre Beobachtungen immer zur selben Tageszeit durchf√ľhren. Sie k√∂nnen eine Ihnen angenehme Zeit w√§hlen. Die optimale Beobachtungszeit ist jedoch 3-4 Stunden nach dem Sonnenh√∂chststand.
  • Einmal im Herbst soll die H√∂he jeder Pflanze gemessen und protokolliert werden.

Folgende GLOBE-Schulen haben Ende 2002 einen phänologischen Garten nach GLOBE-Standard angelegt:

1. Europaschule 53332 Bornheim (Horst Richels)

2. Willy-Brandt-Gesamtschule Marl 45768 Gelsenkirchen (Karin L√ľbke)

3. Geschwister-Scholl-Gesamtschule 47433 Moers (J√∂rg H√ľttenhoff/Hr. Gries)

4. Gesamtschule 46514 Schermbeck (Eveline Kromus-Sch√ľth)

5. Ernst-Barlach-Gymnasium 59423 Unna (Sonja Drzenzla)

6. Gymnasium 01855 Sebnitz (Kathrin Schmidt)

7. Mittelschule 07985 Elsterberg (Rolf Beckert)

8. Franz-Marc-Gymnasium 85570 Markt Schwaben (Walter Fuchs)

9. Offene Schule 64832 Babenhausen (Wolfram Fischer)

10. Gerhardt Hauptmann Regelschule 06571 Rossleben (Fr. Saubert/Hr. Weilepp)

11. Dietrich-Bonhoeffer-Schule 04600 Altenburg (Stefan Kratsch)

12. Gymnasium Rahlstedt 22147 Hamburg (Claus Rönnebeck)

13. Max-Planck-Gymnasium 27749 Delmenhorst (Michael Gripentrog)

14. Werner Heisenberg Gymnasium 04159 Leipzig (Frau Dr. Dittrich)

15. 60. Grundschule 04249 Leipzig (Frau Schöbel)

16. Carl-von-Linne-Grundschule 04129 Leipzig (Frau Spitzner)

17. Schulbiologiezentrum 04275 Leipzig (Herr Rehm)

18. Gymnasium 92331 Parsberg (Herr Harbach)

19. Louis Armstrong Middle School, East Elmhurst, NY, US


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