Nachhaltigkeitsaudit

Anders als beim Öko-Audit gibt es beim Nachhaltigkeits-Audit kein EU-weites Abkommen, in dem festgelegt wurde wie dieses auszusehen hat und durchzuführen ist. Das Problem liegt schon in der Definition von Nachhaltigkeit, denn hier gibt es dutzende verschiedene Varianten, die alle Gültigkeit beanspruchen, es aber keine Einigung auf eine gemeinsame Definition gibt. Ursprünglich wurde der Begriff im 18.Jahrhundert durch die Forstwirtschaft geprägt. Damals war gemeint, man schlage nur soviel Holz, wie der Wald verkraften kann, soviel wie nachwachsen kann. In der heutigen Zeit ist das Prinzip auf alle Bereiche der Gesellschaft zu beziehen und das macht es so schwer eine „richtige“ Definition zu finden. Ich nenne hier eine der anerkanntesten und deren Ergänzung zu einem späteren Zeitpunkt durch dasselbe Gremium: „Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Diese Definition wurde im Jahr 2001 im Sinne der EU folgendermaßen erweitert: „…Hierzu ist es erforderlich die Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik so zu gestalten, dass sie sich gegenseitig verstärken. Gelingt es nicht, Tendenzen umzudrehen, die die künftige Lebensqualität bedrohen, so werden die Kosten für die Gesellschaft drastisch ansteigen oder diese Tendenzen werden unumkehrbar. …“ (Quelle: Verein zur Förderung der Ökologie im Bildungsbereich)

Aus allen verschiedenen Definitionsansätzen kristallisieren sich aber folgende grundsätzliche Leitthemen heraus:

  • globale, generationsübergreifende Gerechtigkeit
  • dauerhafte Umweltverträglichkeit
  • zukunftsfähige wirtschaftliche Entwicklung

Nachhaltigkeit in der Schule

Was bedeutet Nachhaltigkeit nun für das Bildungswesen, in dem wir uns als Studenten, aber auch in Zukunft als Lehrer, befinden? Mit dieser Frage befasst sich die Mitte bis Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelte Studie, das so genannte Wissens- und Bildungsdelphi. In ihr stehen die Themen und Kompetenzen, die in Zukunft vor allem in schulischen Lernprozessen eine stärkere Rolle spielen sollen. Das sind:

  • Ökologie
  • Globalisierung
  • Gerechtigkeit und
  • allgemeine gesellschaftliche Problemfelder

Um der sehr schnellen Entwicklung in den Bereichen nachzukommen, wurde beschlossen, Lehrpläne zu erneuern und den Lehrenden mehr Gestaltungsspielräume zu lassen. Außerdem wurde festgehalten, dass Curricula „einen Kern an fortschreibbaren Inhalten und einen Mantel aus stetig auszutauschenden Informationen“ enthalten sollten. Für die schulische und unterrichtliche Entwicklung bedeutet Nachhaltigkeit damit erstens eine institutionelle Innovation, denn Schulen werden nun zu nachhaltigen Betrieben und zweitens eine Unterrichtsentwicklung, mit der deutlich in inhaltlicher und methodischer Hinsicht auf zukünftig relevantes Wissen und Kompetenz abgezielt wird. Wie die praktische Umsetzung der Theorie in den Schulen aussehen kann, ist nicht vorgegeben. Ich verwende im Folgenden das Beispiel des SINa-NachhaltigkeitsAudit, welches nur eines von mehreren Möglichkeiten der Nachhaltigkeit in Schulen darstellt. SINa steht für Schulische Indikatoren für NachhaltigkeitsAudit. Dieses Audit ist eine Selbstbewertung, die sich folgende schulische Themen durchleuchtet, um sich ein Bild vom derzeitigen Stand der nachhaltigen Entwicklung zu machen und dann evtl. Korrekturen bzw. Verbesserungen für die Zukunft durchzuführen:

  1. Leitbildung und Planung
  2. Schulmanagement
  3. MitarbeiterInnen
  4. Schulleben
  5. Unterrichtsqualität
  6. Kompetenzen
  7. Ressourcen
  8. Externe Kooperationsbeziehungen

Jede Schule kann sein eigenes Nachhaltigkeitsprofil erstellen und dabei das SINa-NachhaltigkeitsAudit durchführen. Die Schulform ist dabei absolut egal, da die o.g. Kriterien die Leitidee bilden und auch ohne externe Hilfe selbst bewertet werden können.

Vorteile durch Nachhaltigkeit in der Schule

Der Nutzen den die Schulen durch die Durchführung des NachhaltigkeitsAudit erfahren, wird in folgenden Punkten deutlich:

  • Sonst isoliert durchgeführte Maßnahmen und Projekte werden in Zusammenhänge gebracht
  • Eine stärkere schulinterne Kommunikation, Koordination und Kooperation wird gefördert
  • Es gibt inhaltliche und strukturell-organisatorische Verbesserungen
  • Gestaltungskompetenzen und Erfahrungen im Bereich der organisatorischen Fähigkeiten werden ausgebaut
  • Verantwortungs- und Zugehörigkeitsgefühl durch gemeinsame Zielsetzung und Engagement steigen
  • Durch den Erwerb des Nachhaltigkeitszertifikats kommt es zu einem Imagegewinn der Schulen.

Die praktische Durchführung von Nachhaltigkeit in der Schule am Beispiel des SINa-NachhaltigkeitsAudit

Das SINa-Projekt ist in 6 Bundesländern von insgesamt 10 Schulen durchgeführt worden, um die nachhaltige Entwicklung an Schulen zu erproben. Um die nachhaltige Schulentwicklung zu erleichtern, wird den Schulen empfohlen das Audit in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Das SINa-NachhaltigkeitsAudit ist so konzipiert, das es dafür einen Rahmen schafft.

Die Phasen des SINa-NachhaltigkeitsAudit

SINa ist dazu in 3 Phasen unterteilt. In der ersten Phase gilt es eine Steuerungsgruppe in der Schule zu bilden. Sie ist für die Koordination der Aktivitäten im Rahmen der Nachhaltigkeit und für die Durchführung des Audits verantwortlich. Der Auftrag der Steuerungsgruppe muss schriftlich fixiert werden.

Die zweite Phase ist die Durchführungsphase. Dazu wird als erstes ein Workshop zur Selbstbewertung durchgeführt. Hier sollen einige Schüler und Lehrer mit Hilfe des SINa-Kriterienkatalogs feststellen, wie gut die Schule ihrem Leitbild folgt, Ziele festlegt und Maßnahmen durchführt, so können Stärken bewusst gemacht und Bereiche zur Verbesserung erkannt werden. Der Workshop sollte schriftlich protokolliert werden. Als nächstes werden konkrete Maßnahmen geplant. In dieser Phase gilt es Daten für die Maßnahmenplanung zu sammeln, sortieren und auszuwerten. Durch eine anschließende Präsentation der Ergebnisse in der Schule kann sich jeder Schüler und Lehrer ein Bild der derzeitigen Situation der Schule machen und Aktivitäten und Verbesserungen im Sinne der Nachhaltigkeit für die Schule vorschlagen. Daraus wird ein Maßnahmenplan erstellt, der Aktivitäten, Schwerpunkte, Zielsetzungen, Kriterien zur Zielerreichung, hauptverantwortliche Personen, Termine und Zeiträume für die Aktivitäten benennt. Nun folgt die konkrete Umsetzung der Maßnahmen. Dabei koordiniert jeder Verantwortliche seinen Themenbereich eigenständig, kann aber jederzeit bei der Steuerungsgruppe bezüglich Zielorientierung und Ergebnissicherung um Rat fragen. Die Steuerungsgruppe unterstützt zusätzlich die innerschulische Kommunikation und Koordination der einzelnen Themengruppen miteinander. Nach Abschluss der Aktivitäten wird eine Gruppe aus Personen aus der Schule und deren nahem Umfeld gebildet, die eine interne Begutachtung der schulischen nachhaltigen Entwicklung durchführt. D.h. es werden anhand des Selbstbewertungsprotokolls oder vorheriger Auditberichte die umgesetzten Maßnahmen begutachtet und Empfehlungen für die weitere Zukunft ausgesprochen. Die Ergebnisse der Gruppe werden in einem Auditbericht schulintern veröffentlicht und diskutiert. Damit ist die zweite Phase des SINa-NachhaltigkeitsAudits abgeschlossen und ein Kreislauf mit dem erneuten Beginn von Phase zwei steht an. Hier kann alle zwei Jahre auf den Workshop zur Selbstbewertung verzichtet werden. Alle zwei bis drei Jahre sollte dann Phase drei folgen. In dieser Phase wird eine externe Begutachtung durchgeführt, bei der anhand der Selbstbewertungsbögen und den Auditberichten festgestellt wird, ob die Schule die Anforderungen im Sinne des SINa-NachhaltigkeitsAudit erfüllt. Ist dies der Fall, so wird der Schule ein Zertifikat ausgehändigt. Leider ist die dritte Phase auch nach Abschluss des SINa-Projekts nicht institutionalisiert, so dass es hier keine Vorgaben gibt.

Quellen:

  • VEREIN ZUR FÖRDERUNG DER ÖKOLOGIE IM BILDUNGSBEREICH e.V.: Anleitungen zum SINa-NachhaltigkeitsAudit. Druckhaus Galrev, Berlin.

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