Beispiel von Interkulturelle Umweltbildung

Quelle: aus der Einleitung von Bahadir /Strey (Hg.) (1999): Umweltlernen in der einen Welt für die eine Welt, S. 11/12 (etwas verändert und gekürzt).

Umweltbildung ist ein junger der Bildungsarbeit. Beginnend in den siebziger Jahren hat sie sich bis heute zu einem selbstverständlichen Teil unterrichtlicher Tätigkeit entwickelt. Dabei sind Fachgrenzen längst überschritten. Die ursprüngliche Aufgabe des Biologieunterrichts, zu fürsorglichem Umgang mit der Natur zu erziehen, ist inzwischen erheblich ausgeweitet worden und erstreckt sich auf eine große Zahl von Fächern. Die dringend notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit ist dabei noch nicht oder nur in Ansätzen gelungen. Ebenso ist bis heute kaum die Aufgabe wahrgenommen worden, sich mit den unterschiedlichen Zugängen zu Natur- und Umweltfragen der verschiedenen in Deutschland lebenden Ethnien zu befassen, um allen Schülerinnen und Schülern gemäß ihren Zugängen zu Natur und Umwelt gerecht werden zu können. Ebenso ist ihre Beziehung zur Interkulturellen Bildung und Erziehung noch nicht hinreichend geklärt.

Grundlage der Arbeit im Bereich Interkultureller Bildung und Erziehung ist ein "aufgeklärter Ethnozentrismus" NIEKE in diesem Band und 1995). Der Terminus besagt, daß man sich dessen bewußt sein muß, seine eigene Geprägtheit, seinen eigenen Ethnozentrismus nicht verlassen zu können, jedoch ebenso, daß das für alle Menschen jedweder ethnischen Zugehörigkeit zutrifft. In dieser Situation kann es nur die Lösung geben, daß man die anderen Ausprägungen von Lebensformen respektieren und eventuell auch aushalten muß, ohne die eigene in einem bloßen Kulturrelativismus zur Beliebigkeit werden zu lassen. In diese pädagogischen Entwicklungen wiederum sind die Fragen der Umweltbildung bisher nur wenig einbezogen worden.

Beide Linien pädagogischer Bemühungen sind dringend zusammenzuführen. Eine natürliche Umwelt zu erhalten oder wieder entstehen zu lassen, die nicht nur für die jetzige sondern auch für kommende Generationen durch Nachhaltigkeit im Sinne von umfangreicher Vernetzung der Kompartimente gekennzeichnet sein muß, ist längst keine nationale Frage und Aufgabe mehr. Wenn das Schlagwort von der Globalisierung aller Probleme und Aufgaben zutrifft, dann ganz besonders auf dem Gebiet der Umweltfragen. Das bedeutet auch, die Natur- und Umwelterfahrungen derjenigen einzubeziehen, die aus zwei Quellen schöpfen: den ethnischen Minderheiten in Deutschland. Ihre doppelseitigen Beziehungen enthalten ein großes Potential an Erfahrungen und Einstellungen, das bis heute kaum erschlossen ist.

Die Aufgabe soll aus wenigstens drei Gründen möglichst umfassend angegangen werden:

  • Umweltfragen sind - wie schon erwähnt - universell, betreffen alle Menschen gleichermaßen und sind nicht an bestimmte Länder oder gar deren Curricula gebunden. Sie bedürfen allerdings der Bearbeitung aus unterschiedlichen Perspektiven. Das trifft insbesondere auf ethnisch bedingte unterschiedliche Zugänge zu den Dingen und Phänomenen und den Umgang mit unserer natürlichen und gebauten Umwelt zu.
  • Gerade Umweltbildung bietet aufgrund ihres konzeptionellen Ansatzes, ihrer Interdisziplinarität und projektorientierten Unterrichtsformen, d. h. aufgrund ihrer Vielfältigkeit in Themen und Methoden die Möglichkeit, interkulturell ausgerichtete Lernprozesse zu initiieren und dadurch das Zusammenleben der Deutschen mit ethnischen Minderheiten zu fördern, beste Voraussetzungen für eine gemeinsame Arbeit.
  • Durch die Arbeit an Themen, die alle betreffen, lassen sich auf indirektem Wege viele Umgangsweisen mit Natur und Umwelt in die gemeinsamen Bemühungen von Kindern, Lehrern und Eltern einbringen. Damit können Annäherungen stattfinden, die nicht auf direkte Konfrontation mit ethnischen Unterschieden sondern auf Kooperation in gemeinsamer Auseinandersetzung mit den anstehenden Umweltfragen aufbauen.

In der augenblicklichen Situation Deutschlands liegt es nahe, sich im Hinblick auf interkulturell orientierte Umweltbildung exemplarisch der türkischen Minderheit als Zielgruppe anzunehmen; denn den größten Anteil ethnischer Minderheiten nehmen in Deutschland Menschen türkischer Herkunft ein (ca. 2,3 Millionen)....

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