Leitbild Bildung für nachhaltige Entwicklung

„Energiesparen an Schulen“ versteht sich als Projekt einer „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“.

Um Unklarheiten und Definitionsprobleme bei dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ zu vermeiden, sei hier zunächst auf die Erläuterung verwiesen, wie „Integrierte Nachhaltigkeit“ als sechsdimensionales Modell vom Verein für Ökologie und Umweltbildung aufgefasst wird.

"Energiesparen an Schulen" und der Bezug zum Nachhaltigkeitsbegriff

Um der „integrierten Nachhaltigkeit“ gerecht zu werden, muss sich jedes Projekt mit folgenden Ansprüchen auseinandersetzen, die hier schlagwortartig wiedergegeben sind: Ökologie, Ökonomie, Gerechtigkeit, Partizipation, Bildung und Kultur.

„Energiesparen an Schulen“ legt von Ansatz her einen deutlichen Schwerpunkt auf die Ökologie: Das Einsparen von CO2 ist angewandter Klimaschutz, vermindert den Treibhauseffekt und schützt damit allgemeine Lebensgrundlagen. Die ökologisch orientierte Ausrichtung spielte bei der Entstehung des Projektes eine entscheidende Rolle und auch in der Schulen wird der ökologischen Sinn des Energiesparens bewußt in den Vordergrund gestellt.

Darüber hinaus ist Energiesparen auch „gerecht“ im Sinne einer globale Gerechtigkeit – wer Energie und damit CO2 spart, spart für den ganzen Planeten mit.

Die ökonomische Komponente des Projektes liegt deutlich auf der Hand – durch das Einsparen von Energie werden der Stadt Osnabrück Kosten eingespart – und zwar in nicht unerheblichen Ausmaß. Dies gilt auch für die beteiligten Schulen, Lehrer und Schüler, die wegen des verwendtet „Fifty- Fifty-Modells davon erheblich profitieren. Daher kommt dieser Dimension dieses Projektes inzwischen eine sehr hohe Bedeutung zu, von Außenstehenden wird die Kosteneinsparung manchmal als „Hauptzweck“ und „Sinn“ des Gesamtprojektes wahrgenommen.

Partizipation ist integraler Bestandteil des Energiesparens an Schulen und eine ganz wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Von Anfang an müssen sich Hausmeister, Schülerschaft und Lehrer einbringen, Ideen sammeln und umsetzen. Insbesondere Vorschläge zu Verhaltensänderungen erweisen sich nur dann langfristig als wirksam, wenn sie über die Schülerschaft eingebracht und von entsprechenden Gremien (SV und Kollegium) diskutiert und beschlossen werden.

Der kulturelle Aspekt im Sinne von multikulturellem Verständnis spielt bei diesem Projekt eine untergeordnete Rolle. Erstrebenswert ist jedoch eine gemeinsame „Schulkultur“, welche die Einhaltung von Verhaltensregeln zum Energiesparen zu einer Selbstverständlichkeit werden lässt. Daher wird stets versucht, das „Energiesparen“ bzw. den schonenden Umgang mit Ressourcen in der Schulordnung bzw. im Profil der Schule zu verankern.

Der Aspekt „Bildung“ wird in diesem Projekt nicht auf die Vermittlung von Faktenwissen beschränkt sondern geht deutlich darüber hinaus. Zum einen ist dieses Faktenwissen vielfach schon vorhanden oder kann im speziellen Bedarfsfall auch von Schülerinnen und Schülern schnell recherchiert werden – zum anderen zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass vermehrtes „Umweltwissen“ nicht zwangsläufig verbessertes „Umwelthandeln“ nach sich zieht.

Als wesentlich erfolgreicher erweist sich seit Jahren das Konzept der „Umsetzung an der eigenen Schule“ – durch die Partizipation in allen Phasen des Projektes und den fachübergreifenden Ansatz erwerben Schülerinnen und Schüler in vielfacher Weise „Gestaltungskompetenz“. Besonders motivierend wirkt dabei der „reale“ Faktor – es handelt sich bei dem "Energiesparen an Schulen" nicht um ein Planspiel oder eine Fallstudie, sondern um die tatsächliche Umsetzung von Maßnahmen mit entsprechend mess- und zählbaren Erfolgen.

Energiesparen – Der Erwerb von Teilkompetenzen im Verlauf eines Projektes

Analytischer Bereich:

Probleme erkennen und Lösungsvorschläge entwickeln

Die Arbeit mit einer Energiespargruppe oder einem entsprechendem Wahlpflichtkurs beginnt in der Regel mit einem „Energierundgang“ in der eigenen Schule oder einer genaueren Betrachtung der eigenen Klassen. Die Teilnehmer machen dabei erste Vorschläge zum Energiesparen, die zunächst unkommentiert aufgelistet werden. Meist sind diese Listen schon erstaunlich umfangreich und detailliert. Mit Hilfe geeigneter Messinstrumente lassen sich subjektive Einschätzungen (zu kalt, zu dunkel etc) schnell objektivieren.

Entscheidungskompetenz:

Gemeinsam mit anderen planen und handeln

Welche Maßnahmen können wir sofort umsetzen, welche später, wo brauchen wir Hilfe und was geht vielleicht gar nicht? Diese Diskussion innerhalb der Arbeitgruppe ist notwendiger Bestandteil des Projektes. Die Jugendlichen nehmen meist eigenständig die ersten Abwägungsprozesse und Prioritätensetzungen vor: Was lässt sich schnell umsetzen? Was kostet eine spezielle Maßnahme und wird das vielleicht zu teuer? Dürfen wir diese Maßnahme umsetzen? Mit wem müssen wir sprechen? An dieser Stelle wird oft deutlich, dass noch vieles an Information fehlt und zur Entscheidungsfindung eingeholt werden muss (z. B. über Internetrecherche). Die Lehrkraft bzw. die Beratungsperson tritt in dieser Phase idealer zunächst nur als Moderator und Impulsgeber auf, denn was die eigene Schule angeht, können die Jugendlichen meist sehr genau abschätzen, was möglich und machbar ist und was nicht.

Umsetzung:

Sich selbst und andere motivieren

Am Ende der Entscheidungsphase steht ein sehr vielfältiger Maßnahmenkatalog, der abgearbeitet werden will. Bei den dort aufgelisteten Aktivitäten ist meist „für jeden etwas dabei“, und jeder der Jugendlichen sollte auch selber mitentscheiden, was er oder sie davon durchführen möchten. Diese Entscheidungsfreiheit ist wichtig hinsichtlich der „Selbstmotivation“ die schließlich für längere Zeit anhalten soll. Im Idealfall findet jeder/jede eine seinen/ihren Fähigkeiten und Stärken entsprechende Aufgabe und erlebt sich als wichtigen Teil eines gemeinsamen Projektes.

Zum Beispiel ist die interne „Werbung“ an der Schule für Energiesparmaßnahmen über Plakate, Beiträge für Schülerzeitungen oder für die Website der Schule eine wichtige Aufgabe, die Sprachgewandtheit und gestalterisches Können voraussetzt. Andere Aufgaben verlangen eher technisch – mathematisches Verständnis, zum Beispiel die Arbeit mit einem Datenlogger und die Auswertung solcher Daten. Für Diskussionen mit Schulleitung und /oder Verwaltung oder für Referate eignen sich eher kommunikative Charaktere.

Als besonders fördernd für die Motivation erweist sich alljährlich die Auszahlung der eingesparten Gelder. Die aktiven „Energiesparer“ haben natürlich ein besonderes Mitsprache- und Vorschlagsrecht, was die Verwendung dieser Mittel angeht, eine konsequente Folge der im Projekt erworbenen und erfahrenen Gestaltungskompetenz.

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