Ethische Umweltbildung

Ethische Umweltbildung stellt die Vermittlung, Klärung, Entwicklung einer (neuen) ethischen Einstellung gegenüber Natur und Umwelt in den Mittelpunkt. Nun gibt es aber zahlreiche ethische Grundpositionen einer Öko- oder Natur-, Mitweltethik, Tierethik oder Umweltethik, die z.T. in Konzepten der Umweltbildung ihren Niederschlag gefunden haben. Ausgehend von letzterem Begriff findet man einen kurzen Eintrag bei Wikipedia: Umweltethik und Wikipedia: Naturethik.

Eine ausdrücklich ethische Umweltbildung traf und trifft man relativ selten an. Implizit enthalten jedoch die meisten Umweltbildungsansätze (öko)ethische Grundpositionen. Eine frühere Aufarbeitung findet man in meinem Aufsatz über sozialökologische Ethik aus dem Jahre 1989 (s. Publikationsliste)

In den nds. Empfehlungen für die schulische Umweltbildung (Kultusministerium 2001) wird die ethische Dimension herausgestellt:

1. Umweltbildung schließt moralische Diskurse ein In allen umweltrelevanten Auseinandersetzungen und Entscheidungen kommen ethische Prinzipien und normative Ansprüche zur Geltung. Diese zu reflektieren und zu gewichten, ist eine wichtige Aufgabe schulischer Umweltbildung. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Verantwortung bzw. Verantwortlichkeit sowie nach Gerechtigkeit, Respekt und Solidarität. Ethische Prinzipien und Normen sollten dabei – abgesehen von auch rechtlich verankerten Grundwerten – nicht einfach gesetzt, sondern in sozialen Verständigungsprozessen formuliert, bedacht und in Form von sozialen Verhaltensregeln vereinbart werden. Verständigung kann durchaus den Versuch einschließen, Verhaltensregeln – z. B. in Form einer ökologischen Schulordnung – zu begründen und abweichendes Verhalten unter Rechtfertigungsdruck zu setzen.

2. Ethische Bildung ist eine Frage der Glaubwürdigkeit Ebenso wenig wie gefühlsmäßige Einstellungen (z. B. Naturliebe) lassen sich ethische Prinzipien (z. B. Verantwortung, Toleranz, Respekt, Gerechtigkeit) gezielt und systematisch durch didaktisch- methodische Arrangements oder moralische Appelle „erzeugen”. Sie werden vielmehr am ehesten dann Akzeptanz finden, wenn sie im Handeln der Erwachsenen und insbesondere im sozialen Umgang mit Heranwachsenden glaubhaft und praktisch erfahren werden. Hier stehen Schule und Lehrkräfte vor einem Glaubwürdigkeitsproblem, das sich nicht nur auf die notwendige äußere Vorbildfunktion (beispielhaftes umweltverträgliches Verhalten) bezieht. Umweltbildung thematisiert also Fragen der Gerechtigkeit und der Verantwortung und formuliert Regeln im Umgang mit Mitmenschen und Natur.'' (Ende des Zitates - Quelle, vgl. Kap. "Themen" der Empfehlungen)

Seit der Weltkonferenz in Rio den Janeiro (1992) hat sich ein Paradigmenwechsel der Umweltbildung in Richtung Bildung für nachhaltige Entwicklung vollzogen, der die ethischen Grundlagen der Umweltbildung unter dem Leitbild nachhaltige Entwicklung grundlegend verändert hat. Darüber gibt es jedoch eine kontroverse Debatte. Weitere Infos unter Nachhaltigkeitsethik.

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