Kultur - Ästhetik - Kunst als Aspekte und Thema von BNE

Die unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffes Kultur (s. z.B. die ersten Kurzdefinitionen in Wikipedia) spiegeln sich auch in den Debatten um das Verhältnis von Kultur und nachhaltige Entwicklung bzw. BNE nieder:

Kultur und nachhaltige Entwicklung

»Nachhaltige Entwicklung« ist mehr als Umweltpolitik und Entwicklungspolitik, geht über technische Lösungen hinaus. Sie erfordert eine sozial und ökologisch verantwortliche Lebensweise. Die Erreichung neuer individueller und gesellschaftlicher Wertesysteme und Kulturmuster ist damit auch eine kulturelle Aufgabe. Kultur in diesem Sinne als wichtige Dimensionen des Nachhaltigkeitsverständnisses ist im Nachhaltigkeitsdiskurs bisher weniger geläufig.

Nachhaltigkeit, so die Kernthese dieses Buches, ist eine Frage der Kultur. Um nachhaltige Entwicklung umzusetzen, müssen wir unsere Art zu leben und zu wirtschaften - unsere ökonomisch-technische Kultur - ändern. Die Autorinnen und Autoren schlagen aus philosophischer Perspektive ein Konzept der »kulturellen Nachhaltigkeit« vor, das sich vor allem der Frage widmet, wie es gelingen kann, einen Kulturwandel herbeizuführen, der unsere Gesellschaften nachhaltig werden lässt. Sie zeigen, wie die Umsetzung nachhaltiger Ideen organisiert werden kann und welche Konsequenzen sich daraus für Praxisfelder wie Politik, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft oder Medien ergeben. Dabei fragen sie auch danach, welche derzeit dominanten Muster einem solchen Kulturwandel in Richtung nachhaltiger Entwicklung entgegenstehen und wie der Übergang zu neuen kulturellen Mustern gestaltet werden kann. Ein Sammelband einer interdisziplinären Projektgruppe mit Beiträgen von Helmut Friessner, Horst Peter Groß, Peter Heintel, Renate Hübner, Larissa Krainer, Ines Oehme, Martin Schmid und Rita Trattnigg. (Buchrückentext)

Aus vielen sozialpsychologischen und soziologischen Untersuchungen über Einstellungen zu Fragen der Umwelt und der nachhaltigen Entwicklung sowie des praktischen Handelns ist bekannt, dass sozio-kulturelle Hintergründe das Denken und Handeln der Menschen stark bestimmen (s. Umweltbildung)

Kunst, Ästhetik und Nachhaltige Entwicklung

Ursprünglicher Ausgangspunkt der Diskussion in Deutschland war das "Tutzinger Manifest" für die Stärkung der kulturell-ästhetischen Dimension Nachhaltiger Entwicklung, das aus einer Tagung "Ästhetik der Nachhaltigkeit" an der Evangelischen Akademie Tutzing (April 2001) entstanden ist. Das Manifest fordert die lokale, nationale und internationale Nachhaltigkeitspolitik auf, sich mehr als bisher den gesellschaftlichen Entwicklungspotenzialen von Kultur, Ästhetik und Kunst zu öffnen.

Danach beschäftigte sich der seit 2001 existierende Deutsche Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung mehrfach mit dieser Thematik, z.B.:

... die Schwäche der gegenwärtigen Umwelt- und Entwicklungspolitik ...Einer dieser zentralen Mängel besteht in der weitgehenden Beschränkung auf technisch-instrumentelle Lösungswege. Dabei ist der Wechsel zu einer sozial gerechten und ökologisch verantwortlichen Entwicklung im Kern eine kulturelle Aufgabe und stellt eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft dar. Im vorliegenden Band werden Fragen einer solchen gesamtgesellschaftlichen, kulturellen Fundierung des Nachhaltigkeitsdiskurses diskutiert: Wie gelingt es, ihn mit kultureller und künstlerischer Praxis zu verknüpfen? Welches Welt- und Menschenbild kann einem neu zu entwickelnden Fortschrittsverständnis Substanz und Zielorientierung verleihen? Welche Bedeutung hat auch und gerade das kreative, ästhetische und künstlerische Gestaltungswissen bei der Suche nach einer zukunftsfähigen Moderne? Der Band enthält theoretische Analysen, Interviews und Praxisbeispiele. In ihm kommen prominente Akteure aus der Kultur- und Umweltpolitik, dem Kunst- und Ökologiebereich, von Hochschulen und aus der Entwicklungszusammenarbeit zu Wort. (Buchrückentext)

Kulturpolitik in Deutschland: Vor dem Hintergrund des Versuchs einer Neuausrichtung der Auswärtigen Kulturpolitik der Bundesregierung haben kultur- und entwicklungspolitische Einrichtungen ein Manifest »Kultur und Kunst für nachhaltige Entwicklung« verabschiedet.

Literaturhinweise finden sich z.B. hier

Skulpturenlandschaft 2007/08 in Osnabrück

Ein Osnabrücker Beispiel "Skulpturenlandschaft 2007" wurde seit Juni 2007 durchgeführt Idee, Konzept, Lageplan: "20 ortsbezogene Arbeiten internationaler, nationaler und regionaler Künstler im öffentlichen Raum der Stadt, die sich gemeinsam mit der Thematik Natur, Urbanität und Kunst auseinandersetzen" (Zitat aus einem Flyer des Vereins TOP.OS Verein für neue Kunst e.V. Das Projekt hatte auch einen pädagogischen Anspruch: Umweltbildung im Spannungsverhältnis von Kunst und Natur. Das päd.-didaktische Vermittlungsprogramm wollte "Nachhaltigkeitsaspekte aus Umwelt- und Kultursichtweise aufzeigen - Interdiziplinärer Ansatz, neue Lernmethoden und Einsatz neuer Medien.



Kulturelle Vielfalt, nachhaltige Entwicklung international und BNE

International wird in den letzten Jahren ein Zusammenhang zwischen Kultur und Nachhaltiger Entwicklung aus dem weltweiten Diskurs über kulturelle Vielfalt hergestellt. So findet man in dem "Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen" (deutsche Übersetzung) u.a.:

6. Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung
Die kulturelle Vielfalt stellt einen großen Reichtum für Einzelpersonen und Gesellschaften dar. Der Schutz, die Förderung und der Erhalt der kulturellen Vielfalt sind eine entscheidende Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung zu Gunsten gegenwärtiger und künftiger Generationen.

Die Erhaltung der kulturellen Vielfalt ist im übrigen oft auch ein direkter Beitrag zur Erhaltung der natürlichen Vielfalt (Biodiversität), die selbst wieder Gegenstand einer eigenen UN-Konvention ist (Website), die bereits 1992 zusammen mit der Agenda 21 in Rio de Janeiro verabschiedet wurde.

Einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der kulturellen Dimension des Nachhaltigkeitsgedanken wird von der Pädagogik erwartet, in der Regel von neuen, partizipativen und kreativen pädagogischen Ansätzen, von ästhetischer Bildung, von der Nutzung moderner Medien,..... Kunst und Kultur können z.B. Nachhaltige Entwicklung veranschaulichen, andere Zugänge schaffen.

UN-Dekade-Jahresthema 2007 war in Deutschland übrigens „Kulturelle Vielfalt und Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Deshalb wurde bei einer UNESCO-Veranstaltung auf der Didakta-Messe in Köln auch darüber diskutiert (Ankündigung). Dabei zeigte es sich, dass es inzwischen durchaus auch Praxisansätze im pädagogischen Bereich gibt, insbesondere wenn es um Kultur im Sinne ästhetisch-gestalterischer Praxis geht. Weiteres Material findet sich in einer Ausgabe des neue BNE-Online-Journals zu diesem Thema

Insgesamt wird deutlich, dass Nachhaltige Entwicklung auch eine wichtige interkulturelle Dimension hat (s. u. und hier)


Kultur - Ästhetik - Kunst als Aspekte und Thema des BLK-21-Programmes

Auch im BLK21-Programm finden sich Ansätze in Form von Werkstattmaterialien, z.B.

Ein etwas weiteres Verständnis der wichtigen kulturellen Dimension von BNE kommt in der Teilkompetenz "Reflexion über kulturelle Leitbilder" zum Ausdruck, die zumindest implizit in weiteren Themen von Werkstattmaterialien enthalten ist, z.B. "Zucker", "Schokolade" .

Interkulturelle BNE

Eine interessante Erweiterung stellt die interkulturelle Dimension, die fast allen Themen innewohnt und die nicht nur bei internationalen und globalen Themen hohe Bedeutung bei der Verständigung über Themen und bei ihrer Lösung hat.

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