2. Sept. 2008 Gusinoe See Dekabristen-Museum

Ausflug an Gusinooe See und

Novoselenginsk

immer unter Polizeischutz
Gusinooe See bei regnerischem Wetter
Gusinooe See bei schönem Wetter im Jahre 2006
Gusinooe See im Jahre 2006 Heilige Stätte im Jahre 2006
Im Dekabristen-Museum

in Novoselenginsk

Erlöser-Kathedrale als einziges

Gebäude des historischen Selenginsk an der Selenga

Bild im Museum
Dekabristen-Denkmal

Nowoselenginsk - Karawanenhandel und Dekabristen

"22 km südöstlich von Gusinoosjorsk liegt in der hügeligen Steppe am Fluss Selenga die Siedlung Nowoselenginsk. Man sieht dem staubigen Örtchen heute nicht mehr an, dass es Mitte des 18. Jh. mit 4000 Einwohnern die größte russische Stadt östlich des Baikalsees war. Der Karawanenhandel mit China und der Mongolei hatte die kleine Kosakensiedlung Selenginsk, die 1665 zur Disziplinierung flüchtiger Burjaten von der Baikalostküste gegründet worden war, schnell wachsen lassen. Besonders, seitdem 1689 mit dem Vertrag von Nertschinsk die chinesisch-russische Grenze festgelegt worden war und sich die ständigen Kämpfe im Grenzgebiet legten, blühte Selenginsk auf.

Der Ort, der damals auf dem rechten (östlichen) Flussufer lag, bekam 1783 eine herrliche Kathedrale , die zwischen den niedrigen Holzhäusern vor den Uferbergen der Selenga eine malerische Silhouette abgab. Allerdings war schon damals eine schicksalsträchtige Entscheidung gefallen: 1755 wurde der Karawanenhandel zugunsten des Grenzhandels in Kjachta verboten. Damit begann der Niedergang der Stadt. Hinzu kam, dass dem Zar die Lage auf dem rechten Flussufer missfiel. Von Moskau aus wurden mehrere Versuche unternomen, Selenginsk zu verlegen. In einen davon war sogar Hannibal, der Urgroßvater Puschkins, verwickelt, der beim Zar in Ungnade gefallen war. Doch erst im 19. Jh. fügten sich die Bewohner der Stadt widerwillig, und nach und nach entstand auf dem linken Ufer das heutige Nowoselenginsk. Es sollte jedoch nie die Größe und Bedeutung seines Vorgängers erlangen.

Dennoch lockt Nowoselenginsk heute Besucher an. Es fasziniert die Erlöser-Kathedrale, die neben einer kleinen Kapelle und einem Grabmal als einziges Bauwerk auf dem rechten Selenga-Ufer erhalten ist. Außer ihr gibt es keine Spur mehr von dem alten Ort, sodass die unbenutzte und beschädigte Kirche als bizarres Zeugnis der Vergänglichkeit einsam aus der Steppe ragt. Einen schönen Blick auf die Kirche hat man vom Dekabristen-Denkmal aus.

Dekabristen in Selenginsk

Die Hauptattraktion von Nowoselenginsk ist das Dekabristen-Museum. Die Brüder Nikolai und Michael Bestuschew und ihr Freund Konstantin Torson lebten von 1838 bzw. 1839 bis in die 1850er Jahre in Selenginsk. Wie viele ihrer Schicksalsgenossen entfalteten sie an ihrem abgelegenen Verbannungsort eine rege Tätigkeit. Nicht nur, dass sie als überzeugte Aufklärer gemeinsam mit ihren nachgereisten Schwestern Schulen und Ausbildungsstätten einrichteten und leiteten, Kranke pflegten und der Landwirtschaft neue Impulse gaben. Die universal begabten Brüder stellten selbst Möbel her, der künstlerisch talentierte Nikolai verdiente sich durch Porträtmalerei ein Zubrot und malte sogar Ikonen. Ein Exemplar der von den Brüdern entworfenen Cabrio-Kutsche ist heute im Museum in Kjachta zu sehen. Trotz ihrer materiell teils schwierigen Lage widmeten sie sich intensiv der Erforschung burjatischer Kultur und interessierten sich sehr für den Buddhismus. So war Michail eng befreundet mit dem Chambo-Lama Jeschi Schamsujew, und die Tochter Nikolais heiratete den Bruder des Lamas Gombojew (s. Tamtschinski-Kloster). Ein Kreis von Freunden und Verwandten engagierte sich auch nach dem Tod von Nikolai (1855) weiter in diesem Geist, unterstützte Expeditionen und Forschungsarbeiten und förderte Publikationen über burjatische und mongolische Kultur. Der Sohn Nikolais, Alexei Starzew, stiftete ein Privathaus für das Museum in Kjachta. Michail Bestuschew war einer der wenigen Dekabristen, der nach der Amnestie noch in Sibirien blieb. Erst nach dem Tod seiner Frau zog er 1867 zurück nach Moskau. Die Wohnhäuser der Dekabristen, in denen rund ums Jahr Gäste aus Irkutsk, Kjachta, ja sogar aus Moskau und Petersburg ein- und ausgingen, sind nicht erhalten. Doch über den Gräbern von Torson, N. Bestuschew und ihren Schwestern (ca. 5 km nördlich von Nowoselenginsk) wurde unter Breschnew eine wenig ansprechende Gedenkstätte aus Beton errichtet. Das Museum, das auf anschauliche Art die Aktivitäten der Verbannten illustriert, wurde im Haus des Kaufmanns D. Starzew eingerichtet, der mit den Familien eng verbunden war." (Just /Mall: Baikal-See und Region 2007, S. 410, 412)

Fotos zur ehemaligen Teestadt Kjachta, dem dortigen sehr umfassenden burjatischem Museum und der Fahrt dorthin (-vorbei am Gänsesee) finden sich hier auf drei Seiten voller Fotos.

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