Zukunftsstadt von Kindern geplant. Praxisbeispiele aus Osnabrück

Inhaltsverzeichnis:

  • Vorwort (Gerhard Becker)
  • Entwicklung und Methoden der Zukunftswerkstätten (Gerhard Becker und Annette Schriever)
  • Zukunftswerkstätten in einer Osnabrücker Grundschule: Die Chronologie einer Idee und deren Umsetzung (Annette Schriever)
  • Kinderinteressen in Osnabrück (Lisa Beerhues)
  • Zur pädagogischen Bedeutung der Partizipation von Kindern (Gerhard Becker)
  • Abbildungsnachweis
  • Verein für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e. V.
  • Informationen und Adressen
  • Publikationen

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Vorwort

Grundschulkinder beteiligen sich an der Stadtplanung, gestalten die Zukunft ihrer Stadt, die Zukunft von Osnabrück mit! Ist dies möglich und wünschenswert? Manche mögen dies zunächst für pädagogischen Unsinn halten, der die notwendige effektive Stadtpla­nung eher behindert und stört. Aber dass eine solche Beteiligung von Kindern – auch in einem schulischen Rahmen – mit Erfolg möglich ist, zeigt das Beispiel in der Rückert­schule: Dort machte sich 1998 eine 4. Grundschulklasse über ihren Stadtteil viele kritische und phantasievolle Gedanken: „Was ich mir in meiner Stadt wünsche“. Dieses Experiment wurde als Zukunftswerkstatt unter der methodischen Leitung von Annette Schriever mit großem Erfolg durchgeführt. Daran anknüpfend plante eine 2. Klasse der gleichen Schule – wiederum mit Hilfe einer Zukunftswerkstatt – als konkretes und von den meisten Kindern gewünschtes Projekt einen neuen Kinderspielplatz („Ein Platz zum Spielen“). Dieser wurde nach einigen planerischen Problemen in Kooperation mit der Stadtverwaltung und unter Beteiligung aller Kinder der Rückertschule an der Ernst-Sievers-Straße bis Ende 1999 realisiert. Im Mittelpunkt dieses Buches werden diese beiden erfolgreichen und nachahmenswerten Beispiele ausführlich dokumentiert.

Die Methode der Zukunftswerkstatt, entwickelt vom Zukunftsforscher Robert Jungk, wurde bisher hauptsächlich in der Erwachsenenbildung verwendet. Annette Schriever hat diese Methode für die Grundschule in ihrer Staatsexamensarbeit modifiziert. Genaueres kann man dem Kapitel über Zukunftswerkstätten entnehmen, das der Arbeit entnommen, aber gekürzt und sehr stark geändert wurde.

In einem kurzen Kapitel berichtet Lisa Beerhues vom Verein für Jugendhilfe e. V. über die Entwicklung der Kinderpolitik in Osnabrück, die durch die Lokale Agenda 21 geför­dert und die neue niedersächsische Gemeindeordnung erleichtert wird. Dem hier dargestellten Praxisbeispiel mit Grundschulkindern wird dabei ein großer Stellenwert zugemessen. Wir hoffen, dass durch die Veröffentlichung andere Schulen und Lehrkräfte angeregt werden, etwas ähnliches zu machen. Denn nur wenn Kinderbeteiligung auf breiter Basis, d. h. in und außerhalb von Schulen regelmäßig praktiziert wird, kann man von einer Realisierung der Kinderrechte und einer echten Mitbestimmung der Kinder reden.

Dies Buch will das Osnabrücker Beispiel auch in größere Zusammenhänge stellen und auf weiterführende Literatur und andere Quellen verweisen. In meinem eigenen Beitrag soll gezeigt werden, welch große pädagogische und politische Bedeutung die demo­kratische Mitbestimmung, Mitgestaltung, Teilhabe der Kinder und Jugendlichen – die man heute meistens Partizipation nennt – an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen , insbesondere in ihrem eigenen Stadtteil hat und in Zukunft haben wird.

Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist Teil einer umfassenden und weltweiten Bewegung der umfassenden Demokratisierung. Sie leitet sich aus der Agenda 21 ab, dem umfangreichen Handlungsprogramm, das 1992 in Rio de Janeiro von fast allen Staaten der Welt beschlossen wurde. Die Agenda 21 enthält ein eigenes Kapitel zur Stärkung der Rolle von Kindern und Jugendlichen im Zuge der globalen nachhaltigen Entwicklung. Zudem ist die Partizipation eine zentrale Forderung der Charta der Kinderrechte, die nach jahrzehntelanger Vorgeschichte 1989 von den Vereinten Nationen verabschiedet und inzwischen von den meisten Staaten der Welt ratifiziert wurden. Auch finden sich in Deutschland im Jugendhilfegesetz und vielen Gemeindeordnungen Partizipationsansprüche für Kinder und Jugendliche. Insgesamt wird gezeigt, dass es sehr unterschiedliche Formen, Methoden und Ziele der Partizipation gibt. Für ihre Umsetzung ist auch pädagogische Unterstützung erforderlich, die selbst auf eine lange und vielgestaltige pädagogische Tradition zurückblicken kann.

Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist jedoch nicht nur die Realisierung eines wichtigen Rechtes dieser Gruppe der Bevölkerung. Für die eigenen Belange der Kinder und Jugendlichen sind sie selbst die fachkompetenten Experten. Ihre frühzeitige Einbeziehung in kommunale Planungs- und Entscheidungsprozesse führt darüber hinaus häufig zu einer Qualitätsverbesserung für alle Beteiligten und Betroffenen. Da eine kinderfreundliche Stadt eine Investition in die Zukunft aller Bürgerinnen und Bürger ist, darf die dazu nötige Partizipation von Kindern und Jugendlichen von der erwachsenen Generation, der Verwaltung und Politik nicht als Belastung gesehen werden. Die Zukunftschancen jeder Kommune, jeden Landes und der Menschheit insgesamt wird sich wesentlich daran entscheiden, wie ernst Kinder und Jugendliche genommen werden und wie verantwortlich mit ihnen umgegangen wird.

Auch wenn einfache Formen der Partizipation im Schul- und Bildungsbereich und vor allem in der pädagogischen Diskussion immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden, ist hinsichtlich der Verbreitung einer partizipatorischen Praxis von Kindern und Jugendlichen auch zwei Jahre nach diesem erfolgreichen Projekt in Osnabrück noch viel zu tun. Dazu will dieses Buch einen Beitrag liefern.

Dr. Gerhard Becker

Verein für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e. V.

Universität Osnabrück, Fgb. Umweltbildung


Dieses Buch ist im NUSO-Büro (im Uni-Geb. 01, Kolpingstr. 7 in den Räumen 201/202 (Tel. 969-4826 oder 9694918) oder per email (pu@uos.de oder nuso@uos.de) erhältlich oder bei G. Becker (Geb. 43/E05, Tel. 0541-969-4473, email gbecker@uos.de )


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